Beste Karrierechancen dank Lehre

Ausbildung. Auch in der Wirtschaftskrise sind junge Menschen, die eine Lehre absolvieren möchten, auf dem Arbeitsmarkt gesucht

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Mehr als 300 verschiedene Lehrberufe werden in Österreich angeboten. Die Digitalisierung hat dafür gesorgt, dass viele von ihnen adaptiert oder gänzlich neu geschaffen wurden

Knapp 109.000 Lehrlinge gab es Ende 2019 in Österreich. Sie alle haben sich zu einer Lehre entschieden, weil sie eine praxisnahe Ausbildung absolvieren möchten, die sie bestmöglich auf die Zukunft vorbereiten soll. Doch die Corona-Krise hat auch die Lehre betroffen: Berufsschulen wurden geschlossen, Praktika für die Sommermonate abgesagt und Lehrstellen gestrichen.

Lehrlingsstudie
Knapp sieben Monate nach dem Lockdown von Mitte März zeigt sich jedoch, dass sich die zu Beginn prognostizieren Zahlen bezüglich eines Minus von knapp 30 Prozent nicht bewahrheitet haben. Das belegt die aktuelle Studie „Lehrlingsausbildung im Überblick 2020“ des ibw – Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft: Ende September 2020 betrug österreichweit die Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr 31.378 – und damit um rund 3300 Lehrlinge beziehungsweise 9,5 Prozent weniger als Ende September 2019.
Studienautor Helmut Dornmayr sagt, dass das Fazit, wenn man es auf Corona bezieht, ist, dass man noch nicht sagen kann, wo die Reise hingeht und wie sich die Ausbildungsbereitschaft der Jugendlichen und die wirtschaftliche Lage entwickeln werden: „Bezogen auf die Ausbildungsbereitschaft hoffe ich sehr, dass sich Jugendliche nicht wegen Corona von ihrer präferierten Ausbildung abbringen lassen.“
Es ist aber in jedem Fall feststellbar, so der Experte, dass der Rückgang an Lehrlingen im ersten Lehrjahr Ende September mit knapp zehn Prozent im Vergleich zu 2019 nicht so stark war, wie ursprünglich von vielen angenommen: „Bis August zum Beispiel hat es fast gar keinen Rückgang gegeben und auf dem Lehrstellenmarkt gibt es wieder mehr offene Lehrstellen als Lehrstellensuchende.“

Lehrlinge gesucht
Denn nach wie vor gibt es in ganz Österreich zahlreiche Unternehmen, von kleinen Betrieben bis international agierenden Konzernen, die auf der Suche nach geeigneten Lehrlingen sind. Bei Lebensmitteleinzelhändler Spar etwa werden jedes Jahr rund 800 Lehrlinge in 23 Lehrberufen ausgebildet – von Einzelhandel über Betriebslogistik bis IT-Technik. Mit Herbst 2020 wurden die Lehrstellen sogar auf 1.000 erhöht.
Bei der Ausbildung legt man, so betont man seitens des Unternehmens, auf eine umfassende und praxisorientierte Ausbildung wert, die über das normale Maß hinausgeht. „Während der Lehre“, erklärt Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann, „bieten wir, wenn man gute Leistungen zeigt, Zusatzprämien von bis zu 4500 Euro. Zusätzlich gibt es Karrierepläne und Zusatzausbildungen, sodass man sich, wenn man möchte, beruflich weiterentwickeln kann.“

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Bei Spar wurden die Lehrstellen diesen Herbst von 800 auf 1.000 aufgestockt

Ausbildung mit Zukunft
Mehr als 200 verschiedene Lehrberufe werden aktuell in Österreich angeboten. Experten sind sich einig, dass Fachkräfte auch in der Krisenzeit, und vor allem aber danach, gefragt sind, sind doch viele Lehrberufe systemrelevant, wie Helmut Dornmayr sagt. „Es gibt nach wie vor einen Fachkräftebedarf, der sich vor allem auf Absolventen einer Lehre bezieht. Dieser wird sich in den nächsten Jahren noch massiv verschärfen, wenn die Jahrgänge der Babyboomer-Generation in Pension gehen werden. Dann werden Lehrabsolventen besonders gefragt sein.“

Maturanten in die Lehre
Ein Modell, um zukünftig mehr Maturanten in die Lehre zu holen, ist die Duale Akademie. Dabei handelt es sich um eine der Lehre ähnliche Ausbildungsform, die jedoch eine verkürzte Lehrzeit sowie höhere Einstiegsgehälter hat und Fachkräfte direkt für in besonders gefragten Branchen ausbilden soll. In Oberösterreich, wo die Duale Akademie vor knapp zwei Jahren von der Wirtschaftskammer in Kooperation mit oberösterreichischen Unternehmen ins Leben gerufen wurde, kann man aktuell unter 13 Berufswegen wählen.
Aktuell nehmen in dem Bundesland über 320 Firmen mit rund 450 Ausbildungsplätzen am Programm Teil. Nach einem Jahr Berufspraxis und nach Abschluss des DA-Traineeprogrammes ist eine Zertifizierung zum wirtschaftlich anerkannten Abschluss „DA Professional“ möglich. „Die Duale Akademie“, sagt ibw-Bildungsforscher Helmut Dornmayr, „ist aus meiner Sicht ein erfolgreiches Modell, denn Maturanten, die eine Lehre absolvieren, sind gefragt. In Deutschland zum Beispiel haben rund 30 Prozent der Lehranfänger die Matura beziehungsweise Abitur während es in Österreich nur zwei Prozent sind – hier haben wir noch gewaltiges Aufholpotenzial. In den meisten Berufen steigen die Anforderungen kontinuierlich. Das bedeutet, es ist immer gut, wenn jemand höhere Eingangsqualifikationen und Vorkenntnisse hat.“

Digitaler Wandel
Dabei wird auch die Digitalisierung zu einem Gut, das auch für Lehrlinge zukünftig immer wichtiger ist. Denn seit 2018 hat das Ministerium für Wirtschaftsstandort und Digitalisierung mehr als 70 österreichische Lehrberufe adaptiert oder neu geschaffen, wobei einer der wichtigsten Treiber der digitale Wandel ist. Helmut Dornmayr betont, dass die Lehre auch hinsichtlich der Digitalisierung ein Spiegelbild der Gesellschaft ist: „Dort, wo sie in den Betrieben bereits zentral eingesetzt wird, kommt sie natürlich auch in der Lehrlingsausbildung vor. Genau das ist auch eine der Stärken der Lehrlingsausbildung, dass sie sehr am Arbeitsmarktbedarf orientiert ist, weil sie direkt in den Betrieben stattfindet.“
Bei Spar jedenfalls ist digitales Lernen mittlerweile State of the Art, so Sprecherin Nicole Berkmann: „Wir haben beispielsweise eine digitale Lernplattform für unsere jungen Kollegen und Kolleginnen. Zusätzlich bieten wir auch Ausbildungen mit digitalem Schwerpunkt, zum Beispiel bei Hervis oder im Ecommerce-Bereich.“

Autor: Sandra Wobrazek

 

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