Das Prinzip Hoffnung. Der Arbeitsmarkt zwischen Bangen und neuen Chancen

Beschäftigung. Tourismus, Freizeitwirtschaft und Gastronomie sind nach wie vor massiv von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen – mit deutlichen Folgen für den Arbeitsmarkt. Die Erholung dürfte nach Experten-Einschätzung noch länger dauern.


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Die österreichische Hotellerie ist aktuell eine der am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffenen Branchen. Gerade im urbanen Bereich fehlen Kongress- und Städteurlauber.

Es sind wenig erfreuliche Zahlen: Mit Ende August waren in Österreich knapp 423.000 Frauen und Männer arbeitslos oder in Schulungen – um rund 30 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2019. Damit zeigt sich: Die Corona-Krise hat den österreichischen Arbeitsmarkt nach wie vor fest im Griff.

Negative Auswirkungen

Der Zenit war schon vergangenen April erreicht: Da war der Anstieg im Jahresvergleich mit über 230.000 Arbeitslosen enorm, wie Herbert Mahringer vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) sagt. Das Kurzarbeitsmodell, aktuell für rund 452.000 Menschen in Anspruch genommen, konnte zwar einiges abfangen, dennoch hat sich die Krise, so der Arbeitsmarktökonom, auf sehr viele Branchen negativ ausgewirkt – vom Tourismus, wo es einen vorzeitigen Saisonschluss gegeben hat, über das Veranstaltungswesen bis zum Verkehr und Bereichen der persönlichen Dienstleistungen.

„Durch die globale Auswirkung der Corona-Krise ist auch die Sachgüterproduktion, die in Österreich stark exportorientiert ist, betroffen, da es aufgrund der geringeren Exporte Nachfrageausfälle gibt“, sagt Mahringer. Der Rückgang der Beschäftigung war auch in Branchen mit kurzen Dienstverhältnissen stark: „Dort findet sich der überwiegende Teil der unmittelbaren Beschäftigungsverluste und des Anstiegs der Arbeitslosigkeit“.


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Arbeitssuche im Jobcenter des AMS. Aktuell sind beim AMS rund 92.000 mehr Frauen und Männer arbeitslos gemeldet oder in Schulungen als im Vergleichszeitraum 2019

Spezialfall Wien

Besonders die urbane Hotellerie und das Kongresswesen, in der Millionenstadt Wien wichtige Garanten für eine stabile Beschäftigung, schwächeln nach wie vor. Markus Grießler, Obmann Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Wien, sagt, dass der Wechsel der Corona-Ampel von Gelb zu Orange und die Reisewarnungen „der Todesstoß für den Herbst-Wintertourismus in Wien waren. Denn während andere österreichische Regionen auf eine Skisaison hoffen, entgehen Wien durch die verlorene Ballsaison 150 Millionen Euro an Wertschöpfung. In großen Fünfstern-Häusern, die derzeit komplett ausgebucht wären, sind teils nur zwei Zimmer belegt.“

Er verweist auf die Tatsache, dass die österreichische Hauptstadt eine Kongressdestination ist und Kongresse sich nicht von einen Tag auf den anderen veranstalten lassen. Generell dürfte es noch eine Zeit dauern bis der Wiener Tourismus wieder von einer Basisauslastung sprechen kann, ist dazu doch ein Mix aus Geschäftsreisenden, Kongress- und klassischen Ferientouristen nötig.

Arbeitsstiftung

Wege aus der Krise sieht Grießler für die Wiener Tourismusbranche jedoch nicht im Kurzarbeitsmodell, da nicht genügend Arbeit da sei, um die Mitarbeiter zu 30 Prozent auslasten zu können. Deshalb müsse man, so der Obmann, neue Wege gehen. Etwa, indem die restlichen Prozent der Kurzarbeit subventioniert werden „oder an eine Arbeitsstiftung gedacht wird, in der die Mitarbeiter untergebracht werden können. Denn es besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter aus der Tourismusbranche umschulen und sich andere Jobs suchen. Das sind aber jene Kräfte, die wir brauchen werden, sobald die Krise vorbei ist und die Gäste zurückkehren.“

Nachfrage steigt

Dabei gibt es auch Arbeitsmarkt-Bereiche, die nach wie vor gute Jobchancen bieten, wie Herbert Mahringer sagt. Sie sind im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen zu finden, wo die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter zunehmen wird. Ebenso hoch ist der Bedarf bei technischen Berufen im gehobenen Qualifikationsbereich mit HTL Matura oder Studium.
Dabei empfiehlt der Wifo-Ökonom, der davon ausgeht, dass das wirtschaftliche Niveau von 2019 in den nächsten beiden Jahren nicht erreicht werden wird, vor allem jungen Menschen den Erwerb zusätzlicher beruflicher Qualifikationen: „Es ist sinnvoll, dass Maturanten sich in unterschiedliche Richtungen fortbilden – von einem Studium bis zu Modellen der Lehre mit oder nach der Matura.“

Autor: Sandra Wobrazek

 

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