Der Arbeitsplatz der Zukunft

Arbeitswelt. Verstärktes Homeoffice, digitales Arbeiten und neue Arten der Fortbildung werden das Arbeiten zukünftig prägen

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Nicht nur digitale Kenntnisse, auch soziale Fähigkeiten wie Empathie, Kommunikationsstärke und Konfliktmanagement werden von Arbeitnehmern mehr und mehr verlangt

Die gegenwärtige Krise hat die Art des Arbeitens verändert: Innerhalb kürzester Zeit wurden hunderttausende Menschen in Österreich ins Homeoffice geschickt. Sie mussten sich daran gewöhnen, dass ihr Zuhause auch ihr Arbeitsplatz war und Meetings mit Kollegen nur virtuell stattfinden konnten. Waren das bereits Vorzeichen für einen Wandel in der Arbeitswelt? Wie wird der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen? Welche Fähigkeiten werden gefragt sein und welche Rolle wird die Digitalisierung spielen?

Stadt, Land, Homeoffice
Matthias Fink vom Institut für Innovationsmanagement an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) erkennt im Bereich der klassischen Büroarbeit einen Sprung hin zu ortsungebundener Arbeit. Das hat, so der Experte, nicht nur die Folge, dass man nicht mehr in ein Büro fahren muss, sondern auch, dass man dort, wo man wohnt, auch arbeiten kann: „Das bedeutet eine große Aufwertung von Standorten, die nicht urban sind – allerdings nur, wenn sie über leistungsfähige Internetinfrastruktur verfügen. Auch für Städte ist es eine große Chance, nämlich, dass Zentren nicht mehr reine Büro-Orte sind, sondern wieder stärker bewohnt werden und dort alltägliches Leben stattfindet.“
Vor allem Metropolen wie London, New York aber auch Wien könnten sich verändern, wenn Bürogebäude in der City nicht mehr in großem Ausmaß gebraucht werden, sagt Fink. Er verweist auch auf einen Wandel in Sachen Büroräumlichkeiten: „International ist das Großraumbüro lange tot – weil zahlreiche empirische Studien zeigen, dass es nicht funktioniert. Covid-19 verstärkt den Trend deutlich.“

 

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Virtuelle Teambesprechungen werden bald Alltag sein

Individualisierung
Peter Zellmann vom Wiener Institut für Freizeit- und Tourismusforschung sagt, dass beim Trend zum Homeoffice zukünftig eine Sache eine essenzielle Rolle spielen wird: die Freiwilligkeit der Arbeitnehmer. „Es gibt viele Berufe, die sich sehr gut für Homeoffice eignen, aber es gibt auch Berufe, bei denen das nicht so gut möglich ist oder Mitarbeiter daheim nicht die passende Möglichkeit haben. Deshalb wird man mit ihnen stärker als bisher auf Augenhöhe über wichtige Entscheidungen verhandeln müssen.“
Dass in einem Unternehmen kollektiv für alle Mitarbeiter etwas geregelt wird, wird, so Zellmann, deutlich erschwert werden – weil Individualität, Flexibilität und Mobilität auch die Arbeitswelt erfasst haben.

Mensch und Roboter
Roboter, die mit Menschen Bauteile zusammensetzen, IT-Experten, die von Leitständen aus künstliche Intelligenz überwachen – was in der Autoindustrie bereits Alltag ist, wird in anderen Bereichen der Arbeit Normalität werden. „Die handwerklichen Fähigkeiten des Menschen“, sagt Matthias Fink, „werden mit der Präzision, Geschwindigkeit und Automatisierung der Maschine verbunden. Wenn etwa eine Waschmaschine repariert werden muss, wird zukünftig keine lange Fehlersuche seitens des Handwerkers mehr nötig sein. Eine Analysesystem wird schnell sagen können, wo der Fehler liegt – und die Handgriffe können rasch und gezielt gesetzt werden.“
Dabei stellt sich, betont der JKU-Forscher, eine entscheidende Frage: Nämlich jene, wie es in Zukunft gelingen wird, diese Integration so zu gestalten, dass menschliche Arbeit immer noch ihren Wert behält und sinnstiftendes Arbeiten und ausreichend Einkommen garantiert.

Soziale Fähigkeiten
Gerade im Rahmen der voranschreitenden Digitalisierung werden soziale Fähigkeiten im zwischenmenschlichen Kontakt wertvoller werden. „Die personenbezogene Dienstleistung“, sagt Peter Zellmann, „also, dass man sich in Menschen hineinversetzen und mit ihren tatsächlichen Bedürfnissen beschäftigen kann, wird auch im Handwerk und Gewerbe immer wichtiger. Das wird ebenso die Aus- und Fortbildungen betreffen, wo man den Fokus nicht rein auf das Technische legen kann.“
Eigenschaften wie Empathie, Rhetorik und Konfliktmanagement werden, prognostiziert der Zukunftsforscher, ebenso relevant sein wie digitale Fähigkeiten: „Personenbezogene Dienstleistung ist die Wertschöpfung der Zukunft und die Digitalisierung ihr Werkzeug.“

Mikrolearning
Die Covid-19-Krise hat zu einem Push digitaler Aus- und Weiterbildung geführt. Ein Trend, der Arbeitende zukünftig verstärkt begleiten wird: Mikrolearning. Dabei handelt es sich um kurze Lerneinheiten, in denen es darum geht, kurzfristig spezifische Inhalte zu vermitteln.
Matthias Fink, der an der Linzer LIMAK Austrian Business School zwei MBA-Lehrgänge zur Digitalisierung leitet, sagt, dass Basisschulungen verstärkt über digitale Medien vermittelt werden, „etwa Themen wie Arbeitsethik, rechtliche Grundlagen und Sicherheitsschulungen. Auf der anderen Seite gibt es sehr spezifische Programme, die digital angeboten werden und bei denen es einen großen Boom geben wird. An der JKU und der LIMAK findet das neue Arbeiten und Lernen schon statt.“

Zeitsouveränität
Die veränderten Arbeitswelten werden sich auch auf die Freizeit auswirken. Zeitsouveränität, erklärt Freizeitforscher Peter Zellmann, ist dabei ein Merkmal von Lebensqualität: „Frei über seine Zeit entscheiden und sich seine Arbeit selber einteilen zu können, ist den meisten Menschen wichtiger, als die Frage, ob sie sechs oder neun Stunden am Tag arbeiten. Das ist jedoch gerade erst im Entstehen – sowohl im Bewusstsein der Unternehmen als auch der Arbeitnehmer.“
In der ersten Phase der neuen Arbeitswelt seiner Meinung nach entscheidend: dass man Modelle ausprobieren und evaluieren kann, was gut und was schlecht war, um so zu langfristigen Entscheidungen zu gelangen. Denn letztendlich gilt: Was die Zukunft tatsächlich bringt, kann nur die Zukunft zeigen.

Autor: Sandra Wobrazek

 

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