Der große Umbruch am Arbeitsmarkt

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Die Pandemie beschleunigt den digitalen Wandel in der Arbeitswelt. Pfleger, Ärzte, Techniker, und Logistiker  bleiben  auch in Zukunft gefragte Berufsbilder

 

Die Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren am Arbeitsmarkt, doch die großen Umbrüche schaffen neue Chancen

Gute Zahlen sehen anders aus: Derzeit sind noch immer 945.000 Menschen in Österreich in Kurzarbeit oder arbeitslos. Laut Plan sollen in naher Zukunft 500.000 Menschen einen Job bekommen, aber das geht nicht ohne große Umbrüche. Eine 2021 präsentierte Studie des McKinsey Global Institute (MGI) mit dem Titel „The future of work after COVID-19“ zeigt, dass die Corona-Pandemie wichtige Trends beschleunigt: den Trend zum mobilen Arbeiten, zu eCommerce und virtuellen Interaktionen sowie zur Automatisierung von Produktion und Prozessen und dem Einsatz von KI-Technologien.  Weltweit dürften über 100 Millionen Arbeitnehmer betroffen sein – von Umschulungen und Weiterbildungen oder gar von Jobwechseln. Gleichzeitig werden viele neue Jobs entstehen. 
Hier ein Überblick über die Branchen und Sektoren, in denen sich in Zukunft viele neue Jobs entwickeln.

Der Mitarbeiter-Bedarf in der Pflege und Medizin wird in den nächsten Jahren massiv ansteigen.Die Zahl der Pflegebedürftigen in Österreich steigt rasant an. 2020 zahlte der Bund österreichweit Pflegegeld an 467.933 Menschen. Laut Prognosen werden im Jahr 2050 deutlich über 750.000 Menschen pflegebedürftig sein. Kein Wunder also, dass die Pflegeberufe derzeit ganz oben auf der Bedarfsliste stehen. Laut aktuellen Schätzungen braucht es bereits bis zum Jahr 2030 zusätzlichen 100.000 Vollzeit-Pflegekräfte, um den bestehenden Bedarf bis dahin zu decken. Ein Zukunftssicherer Job, denn selbst mit denkenden Maschinen wird sich diese sehr menschliche Arbeit auch in Zukunft nicht ersetzen lassen.
Laut Österreichischer Ärztekammer gibt es in Österreich rund 46.000 Ärzte. Trotzdem leidet die Alpenrepublik an einem akuten Ärztemangel. Zwar schließen laut OECD-Statistik in Österreich im Schnitt 14,4 Personen pro 100.000 Einwohner ein Medizinstudium ab und der Wert liegt über dem OECD-Durchschnitt von 13,1, aber viele junge Ärzte wandern ins Ausland ab. Besonders in den ländlichen Gebieten gibt es eine Unterversorgung und teilweise liegt die Zahl der Mediziner pro 1.000 Einwohner unter 4,5. Lediglich in Wien sind mehr als sechs Ärzte pro 1.000 Einwohner tätig. Die Zahl der Studienplätze soll in den nächsten Jahren erhöht werden und es soll auch eine Aufwertung der Allgemeinmediziner in den nächsten Jahren kommen.

 

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„Über alle Ausbildungsstufen hinweg besteht ein Technikermangel in der Industrie“
Joachim Haindl-Grutsch IV Oberösterreich

 

Die Digitalisierung ist kein Job-Killer, sondern sie schafft neue Jobs.Dietmar Kotras, General Manager DXC Technology Österreich: „Es steht immer die große Befürchtung im Raum, dass die Digitalisierung der große Job-Killer ist. Aber  Studien-Ergebnisse  zeigen, dass durch eine Erhöhung des Digitalisierungsgrades einer Volkswirtschaft, Wachstumseffekte von bis zu 1,9 Prozent pro Jahr erzielt werden können.“ Für Österreich würden diese Simulationen ein Wachstumspotenzial von bis zu 3,6 Milliarden Euro an zusätzlichem BIP-Wachstum pro Jahr bedeuten. Simulationsrechnungen zeigen auch, dass allein durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bis zum Jahr 2035 jährlich zusätzliche Potenziale von 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr lukriert werden könnten. Dies entspricht einer zusätzlichen Wertschöpfung von über sieben Milliarden Euro pro Jahr. Kotras: „Die digitale Transformation schafft Wachstum und damit Jobs! Wir müssen aber akzeptieren, dass sie auch weiterhin einen erheblichen Wandel am Arbeitsmarkt mit sich bringt.“ Laut Schätzungen des WIFO können durch eine Vertiefung der Digitalisierung in Österreich jährlich knapp 20.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Die neuen Trendberufe sind KI-Spezialist, der sich mit künstlicher Intelligenz ausgekannt, der Site Reliability Engineer, arbeitet als Schnittstelle zwischen Homepage-Administratoren und -Entwicklern oder der Data Scientist sorgt dafür, dass man aus unstrukturierten Rohdaten betriebswirtschaftliche Entscheidungsgrundlagen schafft.

 

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„Die digitale Transformation schafft Wachstum und damit Jobs“
Dietmar Kotras DXC Technology Österreich

 

Die Industrie ist stabil und ständig auf der Suche nach neuen FachkräftenEin riesiger Jobmotor bleibt die Industrie in Österreich. Trotz Krise herrscht weiterhin Facharbeitermangel. Besonders gesucht sind MINT- Qualifikationen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung OÖ: „Über alle Ausbildungsstufen hinweg , also von der Lehre bis zum Studium, besteht ein Technikermangel in der Industrie. Drei von vier Industrieunternehmen hatten vor der Pandemie Personalprobleme bei Hochqualifizierten im MINT-Bereich, bestehend aus Technik und Produktion (inklusive IT) sowie Forschung und Entwicklung.“ Besonders gesucht sind Informatiker, Mechatroniker, Elektrotechniker oder auch Maschinenbauer. In Österreich beläuft sich der Fachkräftemangel nur im Bereich Informationstechnologiebereich laut einer aktuellen Studie des Industrie Wissenschaftliches Instituts (IWI) auf 24.000 Personen. Daraus resultiert ein Wertschöpfungsverlust von rund 3,8 Milliarden Euro für den österreichischen Wirtschaftsstandort pro Wirtschaftsjahr.

Autor: Stephan Scoppetta

 

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