Fachkräfte dringend gesucht

Engpass. Viele Unternehmen suchen vergeblich nach geeigneten Fachkräften. Daran hat auch die Corona-Krise nichts geändert


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In fast allen Bereichen der österreichischen Wirtschaft fehlen Fachkräfte, besonders betroffen sind jedoch technische Berufe wie Dreher, Schweißer oder Maschinenbauer.

Fachkräfte sind am österreichischen Arbeitsmarkt gefragt wie nie, denn es fehlen Arbeitskräfte mit einer bestimmten Qualifikation. Deshalb können freie Stellen, auch über einen längeren Zeitraum hinweg oft nicht besetzt werden. Das belastet die österreichische Wirtschaft zusehends.

Das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) hat in seinem Fachkräfteradar 2019, für den 4.600 Betriebe befragt wurden, festgestellt, dass in fast allen Bereichen der österreichischen Wirtschaft Fachkräfte fehlen. Demnach leiden 46 Prozent der Betriebe unter sehr starkem, weitere 29 Prozent unter eher starkem Fachkräftemangel. Insgesamt gaben 88 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie im vergangenen Jahr den Mangel an Fachkräften zumindest gespürt haben. Besonders intensiv wird der Mangel an Fachkräften, laut der Studie, am Bau, im Tourismus, im handwerklich-technischen Bereich, in mittelgroßen Betrieben sowie in West-Österreich erlebt. Nach Bildungsabschlüssen betrachtet ist die Besetzung offener Stellen vor allem bei Lehrabsolventen besonders schwierig. 60 Prozent der Befragten klagen über mehr offene Stellen, die mit Fachkräften besetzt werden müssten. 65 Prozent der freien Stellen können schon länger als sechs Monate nicht nachbesetzt werden.

Mangel trotz Corona
Der Mangel an Fachkräften scheint auch trotz Corona kein Ende zu nehmen. Das zeigt eine Umfrage der Job-Plattform StepStone gemeinsam mit der Employer-Branding-Agentur identifire unter mehr als 360 Führungskräften und HR-Verantwortlichen in ganz Österreich. Demnach rechnen mehr als zwei Drittel der Befragten nicht damit, dass der Fachkräftemangel wegen der Corona-Krise entschärft wird. „Auch wenn momentan durch Corona kurzzeitig mehr Fachkräfte auf den Jobmarkt gespült wurden, heißt das nicht, dass das immer so bleibt“, erklärt Studienleiterin Barbara Oberrauter-Zabransky das Ergebnis. „Im Gegenteil: Sobald der Konjunkturmotor wieder anläuft, sind diese „High Potentials” ganz schnell wieder weg – davon sind 67 Prozent der Studienteilnehmer überzeugt.“ Das heißt, der Fachkräftemangel ist trotz Corona-Krise mit all ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt nicht verschwunden. „Die Fachkräfte, die wir suchen, sind durch Corona nicht frei geworden“, kommentiert einer der Studienteilnehmer die Lage. Ein weiterer Befragter geht davon aus, dass sich „die Situation im technischen Bereich sogar noch verschärften wird“.

Regional verschieden
Besonders betroffen sind folgende Branchen: Handwerksberufe (45 Prozent), IT-Berufe (22 Prozent) und Gastgewerbe (18 Prozent). Welche Berufe Mangelware sind, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. So liegt der Stellenandrang bei Rohrinstallateuren bundesweit aktuell (August) bei 0,75, dies bedeutet 100 beim AMS gemeldeten offenen Stellen als Rohrinstallateure stehen bundesweit nur 75 arbeitslos gemeldete Rohrinstallateure gegenüber. In Ried im Innkreis liegt der Stellenandrang nur bei 0,08 (auf 100 offene Stellen, acht arbeitslose Rohrinstallateure), in der Stadt Salzburg 0,13, Zimmerer: Stellenandrang 0,53 (August 2020) bundesweit, Graz: 0,26, Braunau: 0,08, Ingenieure für Datenverarbeitung: 0,71 (August 2020) bundesweit, Linz: 0,04, Salzburg: 0,16.


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Rohrinstallateure sind bundesweit sehr gefragt

„Ein weiters Beispiel sind Bäcker: In Wien lag der Stellenandrang bei Bäckern im August bei 24,14, währenddessen ist er in Oberösterreich bei 1,74 – in manchen Bezirken in Oberösterreich liegt er sogar unter eins. Hier gibt es große regionale Unterschiede. Stark nachgefragt sind auch Pflegeberufe und einzelne Handwerksberufe“, heißt es aus der WKÖ.

Viele Pensionierungen
Eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels ist in den nächsten Jahren durch die demografische Entwicklung in Österreich zu erwarten. So wird es in naher Zukunft aufgrund der aktuell vorherrschenden Altersstrukturen zu vielen Pensionierungen kommen. Zugleich nimmt die Zahl der Menschen im Berufseinstiegsalter ab. Bis zum Jahr 2030 geht die Zahl der 20- bis 60-jährigen um 290.000 Personen zurück, diese Personen fehlen am Arbeitsmarkt. Das kann vor allem jene Branchen treffen, in denen das Fachkräfteangebot vorher schon sehr gering war. Zielführende Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sind verstärkte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, insbesondere im Bereich der Lehrlingsausbildung. So sollten Frauen speziell in technischen Berufen verstärkt ausgebildet werden oder es können ältere Beschäftigte länger im Arbeitsprozess gehalten werden.


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Durch Ausbildung in technischen Berufen dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Mobilität ist gefordert
Es braucht, laut WKÖ, auch den Ausbau der überregionalen Vermittlung. Das AMS hat hier bereits einen Schwerpunkt gesetzt, es wurden innovative Projekte zur überregionalen Vermittlung gestartet. „Wichtig ist derzeit vor allem Mobilität und Flexibilität. Die Verfestigung der Arbeitslosigkeit muss jedenfalls vermieden werden. Es gibt Chancen am Arbeitsmarkt, diese sollte man auch nutzen!“, heißt es aus der WKÖ.

Autor: Helene Tuma

 

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