Frauen werden in technischen Berufen dringend gebraucht

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Unternehmen sind in den letzten Jahren  verstärkt bemüht, Frauen in technische Berufe zu bringen
 

Berufswahl. Qualifizierte Frauen, die in die Tech-Szene eintreten, könnten das Problem der immer größer werdenden Talentlücke in den Unternehmen lösen

Mehr Frauen in die Technik zu bringen, war in den letzten Jahren ein wichtiges Thema für Unternehmen auf der ganzen Welt. Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sind, trotz eines stetigen leichten Anstiegs, noch immer unterrepräsentiert. Statistiken zeigen, dass die Quoten für Frauen in der Technologiebranche zwischen zehn und 30 Prozent liegen, also auf zehn digitale Fachkräfte ein bis drei Frauen kommen. Für Frauen bietet sich hier jedoch eine gute Chance für die Zukunft, denn zum einen sind Fachkräfte in diesen Bereichen sehr begehrt, zum anderen zählen viele MINT-Berufe zu den gut bezahlten Berufen.  Frauen werden dringend gebraucht, denn der Anteil an weiblichen Auszubildenden lag 2020 bei nur bei knapp 16 Prozent.„An öffentlichen Universitäten machen Frauen nur knapp ein Drittel aller Studienanfängerinnen in MINT-Berufen aus. An Fachhochschulen ist der Frauenanteil mit 23 Prozent sogar noch geringer“, erklärt Barbara Oberrauter- Zabransky von StepStone Österreich. Wie ein Projektbericht des österreichischen Instituts für höhere Studien zeigt, sind dabei überdurchschnittlich viele Frauen in Biowissenschaften und Architektur inskribiert, während der weibliche Anteil in den Ausbildungsfeldern Informatik und Ingenieurwesen mit 17 Prozent weit darunter liegt.
 

Klischees überwinden

Oft sind für die Berufswahl junger Frauen Geschlechter-Klischees verantwortlich, die es zu überwinden gilt. Meist fehlt es am Mut, das womöglich schon immer vorhandene Interesse an MINT-Fächern auch tatsächlich zum Beruf zu machen. Das Aufbrechen von gesellschaftlichen Stereotypen ist jedoch ein langwieriger Prozess. Oft fehlt es auch an bekannten weiblichen Vorbildern in MINT-Berufen, mit denen sich Mädchen und Frauen identifizieren können.

Das ist allerdings nicht in allen Ländern so, denn in Ländern wie Algerien, Tunesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind rund 40 Prozent aller Absolventen von MINT-Studiengängen weiblich sind. Auch an der TU kommen 40 Prozent aller Studentinnen aus anderen Ländern, in denen Technik nicht so stark männlich konnotiert ist. „Die „männliche„ Technik ist definitiv ein mitteleuropäisches und wahrscheinlich auch ein US-amerikanisches Thema. Es hängt mit unserer Kultur zusammen, in der uns das Bild vermittelt wird, dass Techniker immer Männer sind“, erklärt sagt Brigitte Ratzer, technische Chemikerin und Leiterin der Abteilung Genderkompetenz an der Technischen Universität Wien.

Die Einbeziehung von mehr Frauen würde allerdings für die gesamte Tech-Industrie von großem Nutzen sein, denn Erfahrungen aus der Praxis haben gezeigt, dass diversifiziertere Managementteams mit größerer Wahrscheinlichkeit eine höhere Rentabilität aufweisen als Unternehmen, die von homogenen Teams geführt werden. Technologieunternehmen haben die Bedeutung der Vielfalt in ihren Teams also erkannt und wollen mehr Frauen einstellen. Eine neue Welle qualifizierter Frauen, die in die Tech-Szene eintreten, könnte also nicht nur Frauen helfen, ein neues Leben in einer erfüllenden, zukunftssicheren Branche zu beginnen, sondern auch das Problem der immer größer werdenden Talentlücke in den Unternehmen lösen. 
 


 

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In Europa ist nur ein geringer Prozentsatz aller Developer weiblich, diese  müssen in ihrer Karriere unterstützt werden

Talenten die Tür öffnen

Der IT-Sektor hat ebenfalls mit Problemen der Geschlechterdiversität zu kämpfen, denn das Bild des Programmierers ist in den Köpfen der Menschen männlich. „IT – und im Speziellen Programmieren –zählen bereits heute, aber noch viel stärker in der Zukunft, zu den krisensichersten und am Stärksten nachgefragten Fähigkeiten am Arbeitsmarkt. Gleichzeitig fällt auf, dass es sich hierbei um ein männerdominiertes Feld handelt. In Europa sind nur 17 Prozent aller Developer weiblich. Dabei sind Frauen mindestens genauso gut für diesen Job geeignet, nur trauen sich viele im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen zu wenig zu“, erklärt Sigrid Hantusch-Taferner, Country-Managerin von Codecool und weiter: „Um dem hohen Bedarf an IT-Profis gerecht zu werden, ist es dringend notwendig die Geschlechterkluft zu minimieren und allen Talenten die Türen für eine IT-Ausbildung zu öffnen. Es ist wichtig frischen Wind in die Branche zu bringen und alle Interessierte in ihrer Karriere zu unterstützen, unabhängig vom Lerntyp oder der sozialen bzw. ökonomischen Herkunft. Anders werden wir dem hohen Fachkräftemangel nicht gerecht werden.“

Vor allem hinsichtlich des sich abzeichnenden Mangels an Fachkräften zeigt sich hier eine gute Chance für junge Frauen, die es an anderer Stelle im Berufsleben oft schwieriger haben als ihre männlichen Kollegen. Es ist deshalb Unterstützung für Frauen im Berufsleben notwendig, damit sie ihren eigenen Weg gehen können.

Hindernisse für Frauen

„Frauen spielen eine entscheidende Rolle, weil in ihrer Bildungs- und Berufskarriere mehrere Hindernisse vorhanden sind, die zu erheblichen Nachteilen führen können“, erklärt IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch und weiter: „Dies beginnt bei der Bildungs- und Berufsorientierung im Schulalter, wenn Frauen traditionelle Ausbildungswege einschlagen, die ihre Chancen am Arbeitsmarkt verringern. Später bedeutet Teilzeitarbeit häufig, dass Frauen nicht entsprechend ihrer Qualifikationen eingesetzt werden und Aufstiegschancen eingeschränkt sind. Teilzeit äußert sich dann auch in niedrigen Pensionsansprüchen, was durch einen oft vorzeitigen Pensionsantritt noch weiter verstärkt wird.“ Um die Erwerbstätigkeit von Frauen zu erhöhen, bedarf es vielfältiger Maßnahmen. Der Ausbau des Kinderbetreuungsangebotes ist dabei nur ein Teil einer Gesamtstrategie, die notwendig ist, um die Situation für Frauen am Arbeitsmarkt zu verbessern.

„Eine wichtige Maßnahme dabei wäre eine gemeinsame Kampagne von Politik und Sozialpartnern zur Bewusstseinsbildung über alle Facetten der Beteiligung der Frauen in der Arbeitswelt. Ein wesentlicher Hebel liegt auch in steuerlichen Anreizen, damit eine Ausweitung der Teilzeitarbeit bzw. eine Vollzeitbeschäftigung einen Mehrwert bietet. Es muss sich auszahlen, wenn Frauen sich für eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit entscheiden“, so Haindl-Grutsch.

- Helene Tuma

 

 

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