Rückgang der Arbeitslosigkeit

„Erwarten für 2021 Rückgang der Arbeitslosigkeit”

AMS Vorstand Johannes Kopf über die aktuelle Arbeitsmarkt-Situation und die zukünftige Entwicklung


© Petra Spiola

Johannes Kopf forciert mit dem AMS die Ausbildung von jobsuchenden Frauen und Männern zu qualifizierten Fachkräften für den heimischen Arbeitsmarkt

Die Pandemie hinterlässt tiefe Spuren am heimischen Arbeitsmarkt. Über 400.000 Menschen sind arbeitslos. Besonders die Branchen Tourismus, Gastronomie und Beherbergung haben in den vergangenen Wochen Personal abgebaut. Johannes Kopf, Vorstand des AMS, über die aktuelle Krise am Arbeitsmarkt, Jugendarbeitslosigkeit und den Fachkräftemangel.

Wie stellt sich die derzeitige Lage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt dar?
Johannes Kopf:
Die Arbeitslosigkeit ist durch die Pandemie stark angestiegen. Der Personalabbau erfolgte vor allem im Tourismus, in der Beherbergung und der Gastronomie. Der Fernreiseverkehr ist stark eingebrochen und auch für die Wintersaison bestehen hohe Risiken. Kurzgearbeitet wird am stärksten in der Industrie. Besonders hart trifft es aktuell die Stadthotellerie und den Eventbereich. Viele der kurzarbeitenden Unternehmen werden 2021 wieder durchstarten, wir sehen schon, dass die Ausfallsstunden in der Kurzarbeit zurückgehen.

Werden aus Ihrer Sicht alle heimischen Unternehmen einen Neustart schaffen?
Es gibt leider auch Unternehmen, denen es so schlecht geht, dass sie ihr Personal nicht halten können. Um vorbereitet zu sein, bin ich dazu in regelmäßigem Kontakt mit der Geschäftsführung des Insolvenz-Entgelt-Fonds.

Wir hart trifft die Corona-Krise junge Menschen und besonders Lehrstellenplätze ?
Junge Menschen sind besonders betroffen. Das Lehrstellenangebot war im März, April und Mai geringer als 2019. Da in dieser Zeit deutlich weniger Personen auf freie Lehrstellen vermittelt werden konnten, stieg der Bestand an Lehrstellensuchenden deutlich an und damit vergrößerte sich die Lehrstellenlücke.

In welchen Bereichen bestehen heute noch die größten Chancen auf einen Job?
Fachkräftemangel sehen wir derzeit noch immer im Baubereich, der erstaunlich robust ist. Aber auch in der IT und der qualifizierten Pflege werden Arbeitskräfte gesucht. In vielen Bereichen entwickeln sich die Anforderungen des Arbeitsmarktes schneller, als das Ausbildungssystem ausbilden kann. Rund die Hälfte der Arbeitslosen hat keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung. Daher bildet das AMS pro Jahr rund 30.000 Jobsuchende zu qualifizierten Fachkräften aus.

Wie wird sich die Situation am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten entwickeln?
Die Zahlen werden durch saisonale Arbeitslosigkeit deutlich ansteigen. Im Winter werden vor allem Mitarbeiter aus dem Bereich Bau und Baunebengewerbe arbeitslos. Die Zahl der Jobsuchenden wird Ende Jänner daher bei rund 500.000 Personen liegen. Für 2021 erwarten wir wieder einen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Autor: Sandra Wobrazek

 

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