Sonderpreis zum Staatspreis "Familie & Beruf" 2020

Kurzbeschreibung des Projekts: Mit den Projekten „Equality Advanced“ und „BEST Health“ haben wir zwei thematische Schwerpunkte gesetzt: Gleichstellung und Gesundheit. Dazu fand eine Arbeitsplatzevaluierung zur psychischen Belastung und Gesundheitsverhalten mittels Befragungen statt. Unsere Ziele sind die Förderung weiblicher Wissenschaftlerinnen, die Stärkung der Resilienz von Jungeltern durch Elternteilzeit, Home Office, gezielte Beratung sowie die Entwicklung eines Konzepts zur betrieblichen Gesundheitsförderung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Employer Branding Maßnahmen seit der Corona-Krise (Beschreiben Sie die Maßnahmen Ihres Employer Brandings zur Vereinbarkeit, die seit der Corona-Krise geschaffen wurden oder in konkreter Planung sind: Ablauf, Planung, Abwicklung, Hintergründe.)

Kommunikation in der Krise: Im Zuge des Corona-Lockdowns wurden innerbetriebliche Maßnahmen sehr schnell – in Form regelmäßiger E-Mail-Aussendungen durch die Geschäftsführung - an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommuniziert und ein Handbuch mit Verhaltensempfehlungen herausgegeben. Der Betriebsrat hat eine wöchentliche virtuelle Sprechstunde eingeführt, dort hat der Betriebsrat regelmäßig über rechtliche Rahmenbedingungen informiert.

Home Office: COVID-19 hat uns nicht nur als Unternehmen, sondern jeden und jede Einzelne vor neue Herausforderungen gestellt. Durch unsere schon 2014 unterzeichnete Betriebsvereinbarung zur Telearbeit und die dadurch vorherrschenden technischen und strukturellen Ressourcen konnten wir sehr schnell den gesamten Betrieb und damit fast 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Home Office bringen. Es ist ein Zusatz zur Betriebsvereinbarung geplant, in dem, im Falle eines neuerlichen Lockdowns oder anderer Ausnahmesituationen (Umweltkatastrophen usw.), Home Office noch schneller und einfacher vereinbart werden kann.

Abhaltung virtueller Meetings: Im Rahmen der Corona-Maßnahmen wurden Meetings nur mehr virtuell abgehalten. Dadurch konnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeitlich entlastet werden und gleichzeitig Kosten und CO² eingespart werden.

Digitalisierung von Prozessen: Um die Arbeit und vor allem den administrativen Ablauf im Home Office zu erleichtern, sind im nächsten Jahr umfangreiche Maßnahmen zur Digitalisierung unserer Prozesse geplant, z. B. digitaler Urlaubsantrag, digitale Erfassung von Reisezeiten und Abrechnung von Spesen, digitaler Freigabeprozess von internen Dokumenten. Diese Maßnahmen sind nicht nur papier- und zeitsparend, sie erhöhen die Flexibilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Hygienemaßnahmen: Für die Rückkehr in den Betrieb wurden sämtliche, von der Regierung empfohlenen, Hygienemaßnahmen umgesetzt. Besprechungen werden so abgehalten, dass der 1m Abstand gut eingehalten werden kann und bei Meetings mit externen Personen werden Anwesenheitslisten geführt und je nach Risiko aufgrund aktueller Fallzahlen auch Unbedenklichkeitserklärungen eingefordert.

Arbeitsplatzevaluierung zur psychischen Belastung und Gesundheitsverhalten: Im Juni und Juli wurde im Zuge der beiden Projekte „Equality Advanced“ und „BEST Health“ eine Mitarbeiterinnenbefragung zur psychischen Belastung durchgeführt. Die Befragung erfolgte von einem externen Institut mittels standardisierten Online-Fragebogen.

Welche dieser Maßnahmen möchten Sie auch nach der Krise beibehalten?

Home Office: Die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten wird wahrscheinlich auch nach der Krise verstärkt genutzt werden – besonders auch von Personen oder in Bereichen, für die dies bisher eher unüblich war. Im Herbst und Winter kann das Home Office auch die Verbreitung von grippalen Infekten und Erkältungen eindämmen.

Digitalisierung von Prozessen: Die Corona-Krise hat aufgezeigt, dass wir hier noch Potential haben uns zu verbessern und zukünftig weitere Schritte Richtung Digitalisierung bei gleichzeitiger Ressourcenschonung zu setzen.

Virtuelle Meetings: Durch die Krise wurde in vielen Bereichen auf virtuelle Besprechungen umgestellt. Selbst internationale Konferenzen wurden virtuell abgehalten. Diese weltweite Entwicklung wird vermutlich Auswirkungen auf unseren täglichen Berufsalltag haben und kann sich sehr positiv auf die Work Life Balance und das Familienleben auswirken, weil sehr viel Reisezeit. Auch bei BEST wird ein Teil der Meetings sicher in Zukunft weiterhin virtuell abgehalten werden.

Positionierung als familienfreundlicher Arbeitgeber (Warum ist Ihnen die Positionierung als familienfreundlicher Arbeitgeber im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte wichtig? Was sind Ihre Motive für eine diesbezügliche Positionierung und Kommunikation nach außen?)

Als Forschungsbetrieb beschäftigen wir uns bei BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH mit Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich der erneuerbaren Energien und anderer verwandter Gebiete. Ganz im Sinne unseres Unternehmenswecks und Leitbilds werden bei uns die Themen Nachhaltigkeit sowie soziale Verantwortung großgeschrieben. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bildet hier ein zentrales Thema im Unternehmen. Unsere Werte möchten wir zum einen im Betrieb unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermitteln, unter anderem über unsere Intranet-Seite zum Thema Gleichstellung, die aktiv zur zentrums weiten Kommunikation genutzt wird. Zum anderen wollen wir unsere Werte auch nach außen kommunizieren, zum Beispiel über unsere Role Models, die auf der BEST Homepage zu finden sind. Diese sollen als Motivation für aktuelle und zukünftige Forscherinnen und Forscher und Technikerinnen und Techniker dienen, um insbesondere dem Mangel an qualifizierten Wissenschaftlerinnen entgegenzuwirken.

Im wissenschaftlichen und technologischen Wettbewerb ist die Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Basis unseres Erfolgs. Wir sind davon überzeugt, durch familienfreundliche Strukturen die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhöhen und uns als Arbeitgeberin attraktiver zu machen.

Maßnahmen zum familienfreundlichen Employer Branding (Bitte beschreiben Sie Ihre Maßnahmen/Kampagne/Aktionen zum familienfreundlichen Employer Branding. (Ablauf, Planung, Abwicklung, Hintergründe)

BEST hat in den letzten Jahren schon viele familienfreundliche Maßnahmen über Betriebsvereinbarung umgesetzt. Unter anderem haben wir bei BEST eine Gleitzeitvereinbarung. Wir haben bereits seit 2014 (und nicht erst seit der Corona-Krise) eine Telearbeitsplatz-Vereinbarung inkl. pauschaler Aufwandserstattung. 2016 folgte eine Betriebsvereinbarung zu Karrieremodellen, inklusive transparentem Gehaltsschema, um Chancengleichheit von Männern und Frauen im beruflichen Alltag sicher zu stellen. 2018 und damit ein Jahr vor der gesetzlichen Verankerung haben wir eine Betriebsvereinbarung für den Frühkarenzurlaub für Väter unterzeichnet. Damit haben Väter bei BEST bereits seit 2018 einen Anspruch auf den „Papamonat“.

2016 führten wir ein umfassendes FEMtech Karriere-Projekt durch, im Zuge dessen das Einstellungsprozedere, die Karrierechancen, die Arbeitsbedingungen und das Betriebsklima mit Fokus auf der Attraktivität von BEST für und die Förderung von Frauen bei BEST evaluiert und weiterentwickelt wurden. Im Jahr 2018 folgte ein weiteres Projekt „FeMentoring“ – in diesem Projekt wurde u.a. ein Mentoring-Konzept entwickelt und ein Mentoring Programm mit Frauen gestartet, das mittelfristig Frauen und Männern im Unternehmen zugutekommen soll.

Im März 2020 hat das dritte FEMtech Projekt mit dem Titel „Equality Advanced“ zum Thema Gleichstellung @BEST gestartet. Ein Knackpunkt im Unternehmen sind die wenigen Frauen in Führungspositionen. Deshalb zielt das Projekt Equality Advanced auf die mittel- bis langfristige Erhöhung des Anteils von Frauen in der Führungsebene sowie ihrer Karrierechancen ab. Wir konnten bereits erfolgreich mit folgenden Aktivitäten starten:

  • Eine tiefgehende Analyse des Unternehmens zum Thema Gleichstellung soll bisher unentdeckte Unterschiede in den Rahmenbedingungen für Frauen und Männer und potentielle Ansatzmöglichkeiten identifizieren. Aus den Erkenntnissen werden weitere Maßnahmen abgeleitet.
  • Die Erstellung eines Work-Life-Balance Konzepts: Nach einer IST-Analyse (diese fand bereits im Juni/Juli statt), sollen die Planung eines Gesundheitskonzepts, die Entwicklung von konkreten Maßnahmenpaketen in Workshops und die Aufbereitung von Informationsunterlagen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von z.B. Betreuungspflichten, Ausbildungen, etc. und dem Arbeitsleben unterstützen. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Stärkung der Resilienz von Jungeltern.

Zeitgleich startete das Projekt „BEST Health“ zur betrieblichen Gesundheitsförderung, unterstützt durch die ÖGK. Darin wurden bereits in einem erfolgreichen Startworkshop, begleitet durch eine externe Arbeitspsychologin, ein erstes Gesundheitskonzept erstellt und auch schon einige Quick Wins definiert. Einige davon wurden bereits umgesetzt oder befinden sich gerade in der Umsetzung. Es wurde auch im Rahmen des Projekts die Evaluierung der psychischen Belastung am Arbeitsplatz über ein externes Institut durchgeführt. Für den Herbst sind die Abhaltung von Gesundheitszirkeln an den einzelnen Standorten geplant, um einen konkreten Maßnahmenplan zu erstellen.

Outcome durch die Positionierung als familienfreundlicher Arbeitgeber (Welchen Outcome konnten Sie bisher durch Ihre Positionierung als familienfreundlicher Arbeitgeber bemerken/bzw. welche Effekte erwarten Sie sich?)

Spitzenforschung lebt von interessanten, zukunftsträchtigen Aufgabenstellungen, gut ausgebildetem Personal und mitarbeiterinnenorientierten Arbeitsbedingungen. Wissenschaftliche Kreativität braucht einen Ausgleich außerhalb von Büro und Labor und so ist auch für hochqualifizierte Akademikerinnen und Akademiker die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, persönlichen Hobbys und Weiterbildung ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Bei ca. 90 Personen im Unternehmen liegt der Anteil an (weiblichen) Forscherinnen mit rund 24 % weit über dem Durchschnitt der Bioenergiebranche. Es liegt durchaus im Eigeninteresse des Unternehmens mehr Frauen mit technisch-naturwissenschaftlichem Fachwissen ins Unternehmen zu holen und Karrieremöglichkeiten anzubieten. Die Erfahrung zeigt, dass eine Erhöhung der Vielfalt im personellen Bereich bei guter Begleitung zu mehr Kreativität, Innovation und einer Verbesserung des Betriebsklimas führt. BEST konnte zwischen 2015 und 2019 insgesamt 14 Väterkarenzen und 12 Elternteilzeiten von (männlichen) wissenschaftlichen Mitarbeitern verzeichnen. Wir freuen uns, dass das Interesse an Väterkarenz und Elternteilzeit weiter zunimmt. Durch unsere zahlreichen Bemühungen wurde der Technopolstandort Wieselburg 2017 auch als „Familienfreundlichster Betrieb in NÖ“ bei Mittelbetrieben ausgezeichnet.

 

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Fotocredits Teaser und Einreichung:
© Claudia Peternell, BEST