Sonderpreis zum Staatspreis "Familie & Beruf" 2020

 

Kurzbeschreibung des Projekts: Sich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu widmen ergibt sich aus unserer Identität als Organisation. In Zeiten von Covid-19 wollten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die herausfordernde Zeit erleichtern, besonders jenen mit Kindern bzw. zu pflegenden Angehörigen. Schon vor dem gesetzlichen Anspruch gab eine ausgeweitete Pflege Urlaubszeit und die Möglichkeit einer stundenweisen Pflegefreistellung.

Employer Branding Maßnahmen seit der Corona-Krise (Beschreiben Sie die Maßnahmen Ihres Employer Brandings zur Vereinbarkeit, die seit der Corona-Krise geschaffen wurden oder in konkreter Planung sind: Ablauf, Planung, Abwicklung, Hintergründe.)

Wir haben uns für eine Erweiterung der Pflege Urlaubszeit auf insgesamt drei Wochen, direkt zu Beginn der Krise entschlossen- bereits vor dem gesetzlichen Anspruch darauf von Seite der Regierung. Diese Regelung wurde sofort umgesetzt und von sehr vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Anspruch genommen. Hinzu kam die Möglichkeit diese Freistellung zur Pflege auch nur stundenweise zu konsumieren, was die Arbeitsumstände für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch flexibler machte. Außerdem konnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Freistellung auch für die Pflege naher Angehöriger im selben Haushalt in Anspruch nehmen, die keine Kinder waren. Hintergrund war insgesamt die Sicherheit der Gesundheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Angehörige.

Es wurde eine Kurzarbeitsregelung aufgesetzt, die besonders familienfreundlich war und sich vor allem an jenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter orientierte, die die Zeit während der Schulschließungen besonders dringend für die Kinderbetreuung brauchten. Die Kurzarbeit wurde so gestaffelt, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei denen es wichtig war, dass sie zuhause bleiben konnten, dies auch bis zum Ende der drei Monate tun konnten. Zudem wurde bei allen darauf geachtet, ob sich eine Einbuße im Gehalt während der Kurzarbeit finanziell ausging.

Wir haben ein Team an internen Expertinnen und Experten zusammengestellt, mit psychologischer und/oder Coaching Ausbildung und Erfahrung. Sie waren und sind für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichbar und unterstützen besonders in Krisensituationen.

Zu guter Letzt wurde nun trotz der schlechten Voraussetzungen im SWÖ-KV eine Corona-Zulage ausbezahlt, die zudem sozial gestaffelt ist. Somit werden jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit weniger Gehalt auch mehr unterstützt.

Während der Corona Zeit sind mehrere Mails vom Geschäftsführer direkt an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegangen um sie informiert zu halten und um ihnen zu zeigen, dass die Lebenshilfe Tirol ein sicherer Anker ist auf den sie sich verlassen können. Alle Mails waren mit dem #teamlebenshilfe versehen. So erreichten wir einen Zusammenhalt in der Gesamtorganisation und stellten sicher, dass sich niemand alleine fühlt in dieser Ausnahmesituation.  Im April haben wir unsere Mitarbeiter/innen mit Hilfe unseres Befragungstools „business beat“ befragt. Wir wollten wissen, was wir besser machen können und was gut läuft: Haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausreichend Informationen, psychologische Unterstützung und stimmen sie dem Vorgehen zu, den die Organisation in dieser Krise nimmt? (Menschen auch in schwierigen Zeiten zu begleiten.)

Bezüglich unserer Maßnahmen schrieb eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter „Man spürt, dass jede Aussendung und jede Maßnahme sehr wohl überlegt wurde. Man spürt auch, dass unfassbar viel Energie und Zeit in wichtig Maßnahmen investiert wird. Auch in dieser Situation merkt man, dass man sowohl die Klientinnen und Klienten als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Blick hat.“ Dieser Kommentar hat von allen Kommentaren die meisten „likes“ von Kolleginnen und Kollegen erhalten.

Außer den E-Mails vom Geschäftsführer haben wir einen internen Newsletter, in dem alle Maßnahmen angeboten und beworben wurden. Wir haben noch dazu ein „Corona-News Portal“ eröffnet, dort konnten und können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tagesgenau Informationen erhalten wie: Wie viele positiv getestete Corona Fälle haben wir in der Lebenshilfe? Sowie jegliche Dienstanweisungen, die in dieser Zeit angefallen sind, oder Informationen zu der Corona Zulage und wie sie bei uns ausgezahlt wird. Ziel ist das Notwendige und Praktische übersichtlich zusammenzufassen.

Nach außen hin haben wir weniger die Maßnahmen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommuniziert, hier haben wir uns auf unsere gesellschaftliche Verantwortung konzentriert, nämlich Menschen mit Behinderungen in Krisen sichtbar zu machen und auf Missstände hingewiesen. Zudem haben wir die Versorgung aufrechterhalten, denn vor allem in der Krise ist das essentiell und unsere Aufgabe. diesbezüglich sind wir auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen und diese als wertvollste Ressource haben wir auch nach außen hin besonders hervorgehoben und ihre Leistung verdeutlicht.

In der Kommunikation haben wir uns in der ganzen Zeit stark auf die interne Kommunikation konzentriert, da es uns primär darum ging die bestehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in der Krise, bestmöglich als guter Arbeitgeber zu unterstützen.

Welche dieser Maßnahmen möchten Sie auch nach der Krise beibehalten?

Einige der oben genannten Projekte sind aus der Krise entstanden und werden demnach selbstverständlich auch nach der Krise umgesetzt. Grundsätzlich werden wir weiter immer im Sinne unserer Identität mit Blick auf die MitarbeiterInnen handeln. Zum Beispiel haben wir gelernt, dass Sonderfreistellungen besonders wichtig sind für Eltern und werden diese beibehalten. Außerdem wird das Arbeiten aus dem Home Office weiterhin eine Möglichkeit bleiben.

Positionierung als familienfreundlicher Arbeitgeber (Warum ist Ihnen die Positionierung als familienfreundlicher Arbeitgeber im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte wichtig? Was sind Ihre Motive für eine diesbezügliche Positionierung und Kommunikation nach außen?)

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, als eines der wichtigsten gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Anliegen unserer Zeit, setzt eine familienfreundliche Arbeits- und Lebenswelt und ein partnerschaftliches Miteinander aller Akteure aus Wirtschaft, Politik, Gemeinden und Gesellschaft voraus.

Die Lebenshilfe Tirol versteht sich als Menschen und Bürgerrechtsorganisation, und als ein Sozialunternehmen. Wir wollen unsere KlientInnen aber auch unsere MitarbeiterInnen bestmöglich begleiten. In der heutigen Zeit und ganz besonders nach bzw. während der Corona-Krise wird deutlich, wie sehr wir auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter achten müssen, denn die Belastung ist hoch. Die viele Zeit, die man in der Arbeit verbringt soll nicht unnötig Kräfte verbrauchen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unsere wichtigste Ressource – sie stellen die bestmögliche Begleitung von Menschen mit Behinderungen sicher. Das Wissen darum wollen wir spürbar machen und von Anfang an klarstellen, dass bei uns Menschen im Mittelpunkt stehen. Klientinnen und Klienten, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Positionierung ist uns nach außen hin deshalb wichtig, weil wir das Interesse von potentiellen MitarbeiterInnen gewinnen wollen, die diese Einstellung auch leben. Nur ein Miteinander kann unsere Strategie als familienfreundlicher Arbeitgeber tragen.

Maßnahmen zum familienfreundlichen Employer Branding (Bitte beschreiben Sie Ihre Maßnahmen/Kampagne/Aktionen zum familienfreundlichen Employer Branding. (Ablauf, Planung, Abwicklung, Hintergründe)

Unsere Identität „Das sind Wir“ legt folgende Erfolgsmuster fest: Momente der Lebensfreude, gebündeltes Expertentum im Netzwerk, von Mensch zu Mensch, vorausschauende Begleitung entlang des Lebensbogens, der sichere Anker, individuelle Lebens- und Entwicklungsräume, Mein Platz im Leben, treibende Kraft im gesellschaftlichen Wandel. Diese Erfolgsmuster gelten für die Menschen mit Behinderungen, die wir begleiten, genauso wie für die MitarbeiterInnen der Lebenshilfe Tirol. Auch unser Kernsatz: wir begleiten Menschen mit Behinderungen auf ihrem Weg zum Selbstbestimmten, barrierefreiem und erfüllten Leben, gibt uns für unsere MitarbeiterInnen Führung einiges vor. Aus unserer Identität heraus, hat sich der Bedarf für ein betriebliches Gesundheitsmanagement herausgestellt.

Unser betriebliches Gesundheitsmanagement Projekt „Gsund&Achtsam“ wurde vor vier Jahren partizipativ gestartet. Zusammen mit 6 Partnern (Fond Gesundes Österreich, Management Center Innsbruck, Tiroler Gebietskrankenkasse, ASKÖ Tirol, AUVA, Arbeiterkammer Tirol) haben wir über eine Projektdauer von 4 Jahren folgendes gemacht: Ist-Stand Analyse mit Hilfe von einem Fragebogen, auf den Ergebnissen basierend haben wir partizipativ Maßnahmen entwickelt, in dem Wünsche und Bedürfnisse unserer MitarbeiterInnen im Rahmen von Gesundheitsteams ermittelt und passende Maßnahmen entwickelt. Insgesamt war jede 5. Mitarbeiterin in diesem Prozess beteiligt und es wurden 63 regionale und zentrale Maßnahmen umgesetzt, unter anderem die Möglichkeiten für Sabbatical, Bildungsteilzeit- und Karenz und Elternkarenz mit Rückkehrgarantie auf die vorherige Position.

Um das betriebliche Gesundheitsmanagement in der Organisation zu verankern, sowie die Gesundheit, Achtsamkeit und Zufriedenheit der MitarbeiterInnen weiterhin im Blick zu haben, wurde Anfang 2020 die Stabsstelle „Kultur und Identität“ etabliert. Diese ist zuständig für Themen bezogen auf die Lebenshilfe als Arbeitgeber, und Organisationsentwicklung im Sinne unserer Identität, sowie für die Etablierung von partizipativen Prozessen in der Organisation und die Weiterführung von Gsund&Achtsam.

Außerdem hat sich die Lebenshilfe Tirol nochmals spezifisch dem Thema Beruf & Familie gewidmet, und das Grundzertifikat berufundfamilie erlangt. Im Zuge des Zertifizierungsprozesses diesen Jahres haben wir 11 Maßnahmen ausgearbeitet, um für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein. Ein Hauptfokus liegt hier in der Kommunikation der Maßnahmen, die es bereits gibt, jedoch noch nicht bekannt sind. Vieles sieht unsere Betriebsvereinbarung bereits vor. Wir werden deshalb im Newsletter unter der Rubrik beruf&familie eindeutiger an alle kommunizieren und eine Broschüre aller Maßnahmen für Mütter oder Väter erstellen. Des Weiteren werden wir Maßnahmen setzen um die Wochenarbeitsstunden flexibler anpassen zu können bei Bedarf oder im Extremfall. Es soll ein Konzept für Alleinerziehende geben und einen Leitfaden für werdende Mütter mit allen Infos zum Mutterschutz oder Karenz. Dies soll transparent und prominent im Intranet veröffentlicht werden.

Zuletzt soll ein Konzept zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen erarbeitet werden. Im Bedarfsfall weiten wir die Bestimmungen soweit es möglich ist aus, gerade die Corona-Krise hat gezeigt wie wichtig hier ein Sicherheitsnetz im Beruf ist. Das soll hier nun mit einem Gesamtkonzept implementiert werden.

Outcome durch die Positionierung als familienfreundlicher Arbeitgeber (Welchen Outcome konnten Sie bisher durch Ihre Positionierung als familienfreundlicher Arbeitgeber bemerken/bzw. welche Effekte erwarten Sie sich?)

Während der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass Maßnahmen wie die Verlängerung von Pflegeurlaub, die Möglichkeit zur Konsumierung von stundenweise Pflegeurlaub oder die Kurzarbeit vor allem von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kindern besonders oft und positiv angenommen wurden. Die Arbeitsmotivation war bei allen sehr hoch und das Unternehmen als Unterstützer war sehr spürbar.

Effekte, die wir uns erwarten: leistungsstarke und zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter , die sich auf ihren Arbeitgeber verlassen können und diesen als sicheren Anker spüren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen wissen und spüren, sich die Lebenshilfe Tirol bewusst ist, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schwierig sein kann. Diese Einstellung soll während der Arbeit spürbar sein, Überlastung dadurch vorgebeugt werden und die Gesundheit, körperlich sowie psychisch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter soll gesichert werden. Dadurch können wir konstante, gute Begleitung von Menschen mit Behinderungen sichern und bleiben unserer Identität und unseren Unternehmenswerten treu.

 

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Fotocredits Teaser und Einreichung:
© Lebenshilfe Tirol gem. GmbH