Start-Up-Szene auf der Überholspur

PESHKOVA/ISTOCKPHOTO.COM

„Es ist wesentlich, dass selbst eine grandiose Idee, die vielleicht auch schon ihren ersten Prototyp hat, gezielt hinterfragt wird“
Johannes Pracher // Leiter Startrampe

 

Gründungen. Trotz Corona-Krise gibt die heimische Start-up-Szene ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Die Pandemie wirkte als Beschleuniger für die Entwicklung
 

Durch die Corona-Krise wurde das letzte  Jahr für viele etablierte Unternehmen zum wirtschaftlichen Überlebenskampf. Manche Branchen wurden hart getroffen, wer vorher schon wackelte, ging unter. Andere überlebten nur durch staatliche Unterstützung. Aber wie erging es denen, die erst am Beginn standen? Also jenen Start-ups und Firmengründungen, die mit ihrer Geschäftsidee zur wohl ungünstigsten Zeit auf den Markt drängten?

Beschleuniger Corona

Im Bereich der Start-ups und Neugründungen wirkte die Corona-Pandemie als Beschleuniger, und das in zweierlei Hinsicht: Jene Start-ups, die bereits gut aufgestellt waren, konnten ihr Wachstum beschleunigen oder richtig reüssieren. Allein der Bereich Health Tech ist überdurchschnittlich stark gewachsen. Ein guter Indikator ist die steigende Zahl der Finanzierungsrunden und des Volumens. So ist im Jahr 2020 das Investmentvolumen in Start-ups in Österreich um 16 Prozent auf 212 Millionen Euro gestiegen. Auf der anderen Seite war auch klar ersichtlich: Wer vor der Krise keinen klaren USP hatte, der wurde durch die Pandemie relativ schnell vom Markt verdrängt.

Und noch auf einer weiteren Ebene hatte der Ausbruch der Corona-Pandemie Einfluss auf  die heimisch Start-up-Szene: Jedes vierte Start-up hat im vergangenen Jahr aktiv an der Entwicklung von Lösungen für die Covid-19-Krise gearbeitet. Weitere sieben Prozent planen, in der Zukunft konkrete Lösungsideen umzusetzen.
 Und auch der Gedanke an die Umwelt gewinnt weiter an Bedeutung.  Die Erreichung von ökologischen Zielen stellt ein vorrangiges Ziel für 27 Prozent der Start-ups dar, so die  Zahlen des Start-up Monitor 2020. Bei diesen „Green Impact Start-ups“ steht die Umsetzung von Produkten und Dienstleistungen, die einen nachhaltigen Konsum bzw. eine nachhaltige Produktion ermöglichen, an erster Stelle.

Am Anfang steht die Idee

Doch am Anfang jeder erfolgreichen Gründung steht eine tragfähige Geschäftsidee. Die eigene Begeisterung ist nur die halbe Miete, denn die Idee muss nicht nur einen selbst, sondern vor allem die künftigen Kunden überzeugen. Man muss also die Gründungsidee auf den Prüfstand stellen und diese auch mit Experten besprechen, bevor man sich damit auf den Markt wagt. Dazu Johannes Pracher, Leiter der Startrampe, der Sparkasse OÖ, die derzeit elf Start-ups betreut: „Wenn Start-ups in der Pre-Seed-Phase oder in der First Stage-Phase, also in der Orientierungs- bzw. Aufbauphase, zu uns in die Startrampe kommen, hinterfragen wir zuallererst die Idee. Es ist wesentlich, dass selbst eine grandiose Idee, die vielleicht auch schon ihren ersten Prototyp hat, gezielt hinterfragt wird, um so die Entwicklung des Start-ups voranzutreiben.” Die Mitarbeiter der Startrampe  begleiten und beraten junge Unternehmerinnen und Unternehmer von Anbeginn bei der Realisierung ihrer Idee und stellen ihnen zudem im Working- & Creative-Space in der Linzer Tabakfabrik die notwendige Infrastruktur zur Verfügung. „So werden aus Ideen Geschäftskonzepte und aus Träumen Realität“, so Johannes Pracher. 
Gezielte UnterstützungStart-ups sind mit ihren innovativen Geschäftsmodellen und kreativen Ideen die Labors der Zukunft. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten mehr denn je! Sie sind wichtige Treiber der Digitalisierung und Indikatoren für einen modernen Wirtschaftsstandort“, bekräftigt Margarete Schramböck, Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, im Startup Monitor 2020. Doch ganz ohne Hilfe ging es  auch für Start-ups nicht. „Österreich hat eine lebendige, innovative und gut ausgebildete Start-up-Szene, die durch gezielte Unterstützungsmaßnahmen wie die Programme Seedfinancing und Creative Impact oder die Schaffung adäquater Rahmenbedingungen den Weg aus der Pandemie schaffen wird“, so die Ministerin weiter. Der Startup Monitor 2020  liefert hier auch eine genaue Analyse. So haben 58 Prozent der Start-ups zumindest eine öffentliche Unterstützungsmaßnahme im Zuge der Covid-19-Krise in Anspruch genommen. Ein Großteil der Start-ups wünscht sich in Zukunft Unterstützung, die spezifischer auf ihre Bedürfnisse eingeht. Hierbei stehen besonders Anreize für mehr Risikokapital (46 %), niedrigere Lohnnebenkosten (42 %) und bessere Möglichkeiten zur Mitarbeiterbeteiligung (28 %) im Fokus. 

Start-up-Standort Wien

Rund die Hälfte aller seit 2009 in Österreich gegründeten Start-ups befindet sich in Wien. Grund genug jetzt auch international als gefragter Start-up-Standort zu reüssieren und damit auch internationale Investoren auf die erfolgreichen Start-ups aus Österreich aufmerksam zu machen. Denn einer der wichtigsten Motoren der Wachstumsdynamik in der Start-up-Szene ist ein erfolgreicher Exit aus der Inkubationsphase, bei dem die Frühphasenfinanzierer aus ihrer Beteiligung aussteigen und neue Unternehmenspartner einsteigen. Vielen jungen Firmen gelang es  schon, Bewertungen weit über der Million-Euro-Grenze zu erzielen und  zunehmend mehr Kapital – vor allem auch aus dem Ausland – anzuziehen.
Noch bis 12. Mai rückt nun Wien mit ViennaUP´21  ins Zentrum der Aufmerksamkeit der weltweiten Start-up-Community. Koordiniert von der Wirtschaftsagentur Wien, bündeln hier  mehr als 40 Programmpartner ihre Kräfte und geben mit über 100 Events ein lautstarkes Zeichen vom Start-up- und Wirtschaftsstandort Wien.  

Das bislang größte Start-up-Event in Zentraleuropa findet heuer pandemiebedingt rein digital statt. Doch dabei soll es nicht bleiben, wie Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, bestätigt: „Der Zuspruch der Zielgruppen zeigt: Mit ViennaUP´21 haben wir sichtlich den Nerv der Zeit getroffen und wir sind in der internationalen Standortpositionierung einen viel größeren Schritt weitergekommen. ViennaUP´21 macht Wien international als Wirtschaftsstandort erlebbar – und wir arbeiten daran, im nächsten Jahr die tausenden Interessierten nicht nur digital, sondern real hier in Wien bei einer „analogen“ ViennaUP begrüßen zu dürfen.“

 

Autor: Herta Scheidinger

 

Zurück