Trotz Krise verzeichnen wir eine Dynamik

JEFF MANGIONE

Martin Kocher, Bundesminister für Arbeit, will mit Förderungen Arbeitsplätze sichern

 

Interview. Martin Kocher, Bundesminister für Arbeit, über eine Erholung am Arbeitsmarkt und das Comeback der Wirtschaft

 

Die Bundesregierung hat sich bereits auf den Comeback-Kurs eingeschworen. Aber der Arbeitsmarkt sieht noch nicht so rosig aus. Im März waren noch immer 458.000 Menschen arbeitslos.

Welche Maßnahmen müssen nun gesetzt werden, um die Menschen wieder in Lohn und Brot zu bringen?

Martin Kocher: Wir verzeichnen seit über drei Monaten einen leicht positiven Trend am Arbeitsmarkt mit sinkenden Arbeitslosenzahlen. Klar ist aber auch, dass die Arbeitslosigkeit auf dem derzeitigen Niveau noch viel zu hoch ist. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass eine spürbare Erholung am Arbeitsmarkt eintreten wird, sobald die nächsten großflächigeren Öffnungen im Mai stattfinden. Durch flächendeckende Öffnungen können 200.000 Personen aus Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit bis zum Herbst wieder in Vollbeschäftigung gelangen.
 

Der Tourismus hofft bereits auf eine Sommersaison. Vielen Betrieben fehlt nun aber das Fachpersonal. Wie lässt sich das erklären?

Im Tourismus gab es in den vergangenen Jahren vor der Pandemie einen spürbaren Fachkräftemangel. Wir alle hoffen auf einen schnellen Aufschwung, mit dem auch die Arbeitskräftenachfrage wieder deutlich ansteigt. Mit der Kurzarbeit ist es aber auch gelungen, über 100.000 Mitarbeiter in Gastronomie und Beherbergung in Beschäftigung und damit in der Branche zu halten.
 

Wann werden die Kurzarbeitsprogramme in Österreich endgültig auslaufen?

Die Kurzarbeit begleitet uns seit Beginn der Pandemie als wichtigstes Kriseninstrument, um die Menschen in Beschäftigung zu halten, sie ist in ihrer derzeitigen sehr großzügigen Form aber auch kein Instrument auf Dauer, da sie im Aufschwung auch negative Nebeneffekte hat. Daher soll nach Auslaufen von Phase vier Ende Juni auch ein konjunkturgerechter partieller Ausstieg aus der Kurzarbeit stattfinden. Es wird über den Juni hinaus aber in bestimmten Branchen nach wie vor eine Unterstützung durch die Kurzarbeit brauchen.

Die Wirtschaft wird noch Zeit brauchen, um sich von dem Pandemie-Schock zu erholen. Wird es Förderungen für Betriebe geben, die neue Mitarbeiter einstellen?

Wir versuchen in Zusammenarbeit mit dem AMS, Anreize für Unternehmen zu setzen, auch jetzt Arbeitskräfte aufzunehmen. Ein wichtiges Instrument ist der Neustartbonus, der einen Zuschuss beim Wiedereinstieg in den Beruf aus der Arbeitslosigkeit heraus bietet. Durch die EPU-Förderung des AMS fördern wir zum Beispiel auch zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse, indem wir Ein-Personen-Unternehmen, denen diese Krise besonders viel abverlangt, bis zu ein Jahr finanziell unterstützen. Mit dem Lehrlingsbonus haben Unternehmen eine Förderung erhalten, wenn sie jungen Menschen eine Lehrausbildung ermöglichen. Wir versuchen die Unternehmen aber auch durch die Eingliederungsbeihilfe dazu zu motivieren, Personen einzustellen, die es am Arbeitsmarkt schwer haben. Zusätzlich gibt es Projekte Gemeinden, Schulen und dem gemeinnützigen Sektor.

Wann wird sich der Arbeitsmarkt wieder auf einem Vorkrisenniveau einpendeln?

Der Arbeitsmarkt ist ein Bereich, in dem sich wirtschaftliche Krisen länger auswirken als in anderen. Gleichzeitig verzeichnen wir, trotz Krise eine gewisse Dynamik am Arbeitsmarkt. Seit Jahresbeginn haben 175.000 Personen die AMS-Vormerkung verlassen und eine Beschäftigung aufgenommen. Damit sind wir zwar noch nicht auf Vorkrisenniveau, wir nähern uns diesem aber an. Durch weitere Öffnungsschritte ist damit zu rechnen, dass sich die Arbeitslosigkeit im Sommer zwischen 330.000 und 350.000 arbeitslosen Personen einpendeln wird. Damit könnten wir, wenn alles gut läuft, im Sommer sogar das Niveau von 2016/17 mit rund 330.000 Arbeitslosen erreichen.

Autor: Stephan Scoppetta

 

 

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