Bewerbungen: So finden Sie heraus wie ein Unternehmen tickt

Wie erkennt man Unternehmenskulturen von Außen? Arbeitspsychologin Anna Lammert-Hejl und ICG-Unternehmensberater, Monika Meirer und Manfred Höfler, geben Tipps für Bewerberinnen und Bewerber, die wissen wollen, was wirklich auf sie zukäme.

Jobsuchenden wird heutzutage geraten, nach der richtigen Unternehmenskultur zu suchen. Denn das Verhalten eines Teams kann, wie Arbeitspsychologin Anna Lammert-Hejl erklärt, „sich ausbreiten wie ein Virus und somit Einstellungen, Werte, Verhalten günstig oder eben ungünstig beeinflussen.“ Aber: Wie erkennt man als Außenstehender wie ein Unternehmen tickt?

"Das Ziel ist es, hinter die Fassade zu schauen"

Zunächst befragt man meist das Internet. Die Werte eines Unternehmens stehen zwar nicht immer auf der Homepage, aber man kann laut den Unternehmensberatern der Integrated Consulting Group (ICG) Monika Meirer und Manfred Höfler schon da auf erste Hinweise achten. „Eine gute Recherche zahlt sich auf jeden Fall aus. Das Ziel ist es, hinter die Fassade zu schauen“, sagt Manfred Höfler.

Ist es Marketing oder gelebte Kultur?

Die Bilder auf den Homepages können bereits viel über das Unternehmen verraten. Je nachdem ob es sich um Musterfotos oder um echte Bilder von den Mitarbeitenden handelt, erkennt man bereits Authentizität. Zudem solle man einen Blick auf die sozialen Medien werfen, etwa auf Postings ehemaliger oder auch aktiver Mitarbeitenden.

„Vergleichen Sie die präsentierten Werte des Unternehmens mit ihrem öffentlichen Auftreten. Die beste Prognose für die Zukunft ist das vergangene Verhalten“, sagt Lammert-Hejl. Als nächsten Schritt, so Höfler, könne man sich nach jemanden, der unmittelbare Erfahrung mit dem Unternehmen hat, umschauen und nachfragen.

Das Bewerbungsgespräch

„Wichtig bei dem ersten persönlichen Treffen ist, dass man offen und aufmerksam reingeht“, sagt Monika Meirer. Wie wird man empfangen? Wie funktioniert die Kommunikation? Wie verhalten sie sich untereinander? Auch das Durchschnittsalter eines Unternehmens sollte man laut Arbeitspsychologin Lammert-Hejl berücksichtigen. So könne man Rückschlüsse darauf ziehen, wie Arbeit verstanden wird.

Anna Lammert-Hejl

Anna Lammert-Hejl ist Arbeitspsychologin

„Bei dem Gespräch selbst sollte man auch darauf achten, ob nur mit Worthülsen geantwortet wird oder es sich um einen wirklichen Austausch handelt“, sagt Meirer. Mit den richtigen Fragen kann man ebenfalls versuchen, hinter die Fassade zu blicken. So könnte man erfragen, wie das On-Boarding und alltägliche Prozesse aussehen. Höfler schlägt auch vor, mit künftigen Kollegen ein Gespräch zu suchen.

Was ist eine gute Kultur?

Gut oder schlecht gibt es, Höfler zufolge, nicht: „Man sucht nach einer Kultur deren Werte zu einem selbst passen.“ Dennoch könne man unangenehme Unternehmenskulturen „in denen Menschen grundsätzlich einschränkt sind“, identifizieren. Anna Lammert-Hejl sieht eine klare rote Flagge in „vielen Kündigungen und hoher Mitarbeiterfluktuation. Das ist ein sehr starker Indikator dafür, dass es nicht optimal läuft.“

Positiv sei es jedoch, wenn „Führungskräfte die Stärken der Mitarbeiter fördern und ihnen helfen, die eigenen Fähigkeiten zu erkennen“ und vor allem auch Fehler erlauben.

Monika Meirers letzter Tipp: „Lassen Sie sich nur nicht von den vielen ausgeschilderten Benefits blenden und hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.“ Im Zweifelsfall sollte man es einfach ausprobieren. „Zur Not geht man nach dem Probemonat wieder.“

Autor: 
Roxanna Schmit