Biogena setzt auf gesundes Wachstum und zufriedene Mitarbeiter

Der operative Gewinn von Biogena hat sich 2020 verdreifacht, die gute Performance könnte auch am Engagement zufriedener Mitarbeiter liegen.

In Fitnessstudios zählen sie zur Grundausstattung, Kranke greifen zu ihnen, um schneller gesund zu werden, und auch viele Gesundheitsfanatiker schwören auf sie: Nahrungsergänzungsmittel und Mikronährstoffpräperate erfreuen sich steigender Beliebtheit. Auch wenn ihre Wirkung und Notwendigkeit umstritten ist. Fakt ist: Sie haben sich in den vergangenen Jahren von einer Nische zu einem Milliardenmarkt entwickelt – mit weiterem Potenzial nach oben.

Einer der dieses Potenzial bereits 2006 erkannt hat, ist Albert Schmidbauer. Der gebürtige Oberösterreicher gründete damals Biogena, ein Unternehmen, das sich der Entwicklung und dem Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen im Bereich Gesundheit und Ernährung widmet und vor allem in den vergangenen Jahren enorm an Fahrt aufgenommen hat. 52 Millionen Euro konnte man im Geschäftsjahr 2019/20 umsetzen – ein Plus von rund 25 Prozent.

Sprung zur Wiener Börse

Der operative Gewinn hat sich mehr als verdreifacht. Seit Herbst 2020 ist die Biogena Group Invest AG (eine Aktie kostet derzeit rund drei Euro) auch an der Wiener Börse vertreten. Anfangs im Direct Market. Vor wenigen Monaten schloss man eine Kapitalerhöhung ab und stieg damit in ein höheres Segment auf, dem Direct Market Plus, der sich an KMU und Start-ups richtet und für den eine Mindestkapitalisierung von zehn Millionen Euro vorausgesetzt wird.

Biogena

Biogena Management Board Julia Ganglbauer und Stefan Klinglmaier

Dieser Markt soll Unternehmen als erster Schritt an die Börse dienen. Kritiker weisen zwar immer wieder darauf hin, dass sich dort insgesamt zu wenig tue, um für Trader attraktiv zu sein. Biogena selbst gehe es beim Börsengang aber weniger um die Kapitalerhöhung, als um eine internationale Sichtbarkeit, wie die Geschäftsführer immer wieder betonen.

Kaum Kontrolle, flache Hierarchien

Und sowieso sehe man sich heute, 15 Jahre nach der Gründung, als mehr als nur einen Kapselhersteller. „Wir sind eine Health-Company, die Gesundheit auf allen Ebenen forciert“, sagt Geschäftsführerin Julia Ganglbauer. Wichtig seien Kunden und Mitarbeiter. „Wir setzen schon lange auf modernes Arbeiten“, erzählt sie. Mitarbeiter-Kontrollsysteme gebe es im Unternehmen wenige, ebenso wie strenge Hierarchien.

Es klingt zwar wie aus einem Hochglanz-Katalog, aber man glaubt Ganglbauer, wenn sie sagt: „Viel wichtiger ist uns eine aktiv gelebte Vertrauenskultur und die Wertschätzung unserer insgesamt 420 Mitarbeiter, die sie auch spüren.“ Dass die Mitarbeiter das wirklich spüren dürften, zeigt eine Aktion, die vor wenigen Tagen gesetzt wurde: Jeder Mitarbeiter, der wollte, bekam einen E-Mini als Firmen-Leasing-Fahrzeug. 82 von ihnen haben dieses Angebot angenommen.

Flexible Arbeitszeitmodelle

Gerne angenommen werde übrigens auch die Möglichkeit zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung. „Wir halten nichts von Pauschallösungen hinsichtlich Arbeitsort und -zeit“, sagt Ganglbauer. Im Unternehmen gibt es deshalb verschiedenste Arbeitszeitmodelle, die, wie sie es formuliert, sowohl an die Bedürfnisse der Arbeitnehmer als auch an jene des Unternehmens angepasst seien.

Biogena/ Autro Frey

Insgesamt 82 E-Minis hat Biogena vor wenigen Tagen an seine Mitarbeiter übergeben

„Ein Gewinn für beide Seiten, denn es ist unser Anspruch, dass sich unsere Mitarbeiter die Arbeit so einteilen, dass auch Zeit für Freunde und Familie bleibt.“ Einen Widerspruch zu einem High-Performance-Anspruch sieht sie dabei nicht. „Es erfordert eben einen Paradigmenwechsel im Unternehmensalltag.“

Vereinbarkeit von Job und Familie, hohe Frauenquote

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist bei Biogena ebenfalls ein großes Thema, denn immerhin liegt die Frauenquote im Unternehmen bei rund 80 Prozent. „Die unterschiedlichsten Arbeitszeitmodelle stellen sicher, dass sich Job und Familie nicht ausschließen.“ Auch wenn das natürlich viele Unternehmen von sich behaupten, auf die Frage, was Flexibilität konkret bei Biogena bedeute, bringt Ganglbauer Beispiele:

Sie erzählt von KollegInnen, die ausschließlich aus dem Homeoffice arbeiten oder anderen, die nur vormittags im Büro sind und nachmittags von Zuhause aus arbeiten. Und sollten einmal alle Stricke reißen, biete man Müttern und Vätern an, ihre Kinder mit an den Arbeitsplatz zu bringen. „Für manche mag das irritierend klingen“, gibt die Geschäftsführerin zu. „Bei uns ist das völlig alltäglich.“

Neue Werkseröffnung

Kinder am Arbeitsplatz, völlige Flexibilität und zahlreiche Benefits – vieles, das Ganglbauer erzählt, mag wie aus einem Image-Film klingen. Doch der Erfolg scheint dem Konzept des Unternehmens recht zu geben und zeigt, dass an der Theorie, dass zufriedene Mitarbeiter zu besserer Firmenperformance führen, etwas dran sein muss.

Aktuell darf man sich nämlich über einen weiteren Meilenstein freuen: Die Eröffnung eines neuen Werkes, der Biogena Good Health World.

Autor: 
Theresa Kopper