Weil ich ein Mädchen bin: Bipa investiert in Aussehen und Image

Die Drogeriekette von Rewe hat viele Veränderungen durchgemacht. Jetzt will man eine klare Strategie umsetzen.

In den vergangenen Jahren hat sich beim Drogeriekonzern viel getan. Man zog in die eine, dann in die andere Richtung. Jetzt fährt man eine klare Strategie – und investiert im zweistelligen Millionenbereich. Im Fokus: ein einheitlicher Auftritt und Partys für die Kundinnen. Wir sprachen dazu mit Thomas Lichtblau, einem der drei Vorstände.

KURIER: An Bipa wurde viel herumgeschraubt. Ein Zickzack-Kurs. Wie tut man weiter?

Thomas Lichtblau: Zur Vergangenheit will ich nichts sagen. Ich bin mit den Kollegen 2017 angetreten und wir haben sehr rasch eine Strategie entwickelt. Mit intensiver Sortimentsarbeit – wir wollen ein kompetentes Drogeriefachsortiment anbieten, auch im Bereich Alten- und Krankenpflege. Da geht es stark um Preis, Verfügbarkeit und Diskretion. Wir haben in 220 Filialen ein größeres Altenpflegesortiment und online das gesamte Sortiment. Und sonst sind wir innovativ mit neuen Konzepten, etwa der „Wow or never“-Deko-Theke, wo wir für limitierte Zeit exklusive, internationale Marken inszenieren.

Ein großer Change-Prozess.

Ja, neben dem Sortiment wird auch das Aussehen der Filialen stark überarbeitet. 2019 haben wir 185 Filialen neu gestaltet, das geht heuer weiter, mit nochmals 145 Filialen, die umgebaut werden. In zwei Jahren investieren wir somit einen zweistelligen Millionenbetrag ins Filialnetz.

Schwarze Zahlen will man 2021 wieder schreiben.

Derzeit dürfen wir investieren, das wissen wir sehr zu schätzen. Das wird einen nachhaltigen, guten Effekt haben.

Der Drogerie- und Parfümeriemarkt in Österreich ist mit fünf Milliarden Umsatz riesig. Was grenzt Sie von den Mitbewerbern ab?

Wir sind im Omni-Channel super aufgestellt, wir haben mehr als zwei Millionen Stammkunden mit dem Jö-Bonus-Club. Wir bespielen die Kanäle – Online, Magazine, spezielle Angebote – vielfältig und gut. Wir wollen unsere Konsumenten so individuell wie möglich ansprechen.

Kurier/Franz Gruber

Kosmetik und Pflege – dafür ist Bipa bekannt. Jetzt kommen Altenpflege-Produkte dazu

Das Geschäft ist ja auch stark von Aktionen und Angeboten getrieben.

Wir sind ein High-Low-Land. Die Kunden springen auf Angebote an. Im Gegensatz zu Ländern, wo Dauer-Niedrigpreise stärker sind, etwa in Deutschland. Wenn man das den Konsumenten einmal angelernt hat, kommt man nicht mehr raus.

Bestellt man Drogerieprodukte gerne im Internet?

Ganz unterschiedlich. Wir sehen die Online-Konkurrenz sportlich. 90 Prozent unserer Online-Kunden kaufen auch stationär – wir wollen das verbinden.

Sie probieren es auch mit Kosmetik-Partys. Wo steht dieses Geschäftsfeld?

Wir glauben, dass Beratung und das Erleben von Kosmetik ein Erfolgsfaktor ist. Dazu haben wir Visagisten in der Filiale und bei großen Events oder auch Partys zu Hause. Das kommt gut an, ist aber nicht etwas, das flächendeckend einschlagen kann. Sie sind das Sinnbild dessen, dass wir persönlichen Kontakt wichtig finden. Das ist dann auch ein Mitarbeiterthema: unsere 4.000 Mitarbeiter sind loyal und gut geschult, da investieren wir auch viel in Lehrlingsarbeit. Aktuell haben wir 225.

Sie haben ja auch eine Westoffensive.

Da sind wir nicht so stark und bekannt wie im Osten. Im Westen ist die Konkurrenz bei den Mitarbeitern größer, da saugt der Tourismus viel ab. Mit der Offensive wollen wir Handelsjobs als attraktive Alternative darstellen. Gerade für Frauen. Unser Frauenanteil im Unternehmen liegt bei 98 Prozent.

Jobs im Handel sind herausfordernd – und nicht immer gut bezahlt.

Das Tätigkeitsfeld ist sehr groß – und wie in jedem Job muss man länger dabeibleiben und sich profilieren, dann wird auch die Bezahlung besser. Wir haben spannende Berufspfade – Führungskarrieren, Visagisten, bis hin zur Verwaltung in der Zentrale.

Männer als Mitarbeiter gibt es nur vereinzelt. Und es gibt drei Männer im Vorstand.

Da haben Sie recht. Auf der nächsten Ebene haben wir dann einen sehr guten Frauenanteil.

In der Werbung sind Frauen ein starkes Thema. Stichwort: Weil ich ein Mädchen bin.

Wir wollen damit eine Haltung ausdrücken, das positive Lebensgefühl transportieren. Wir sind im dritten Jahr mit dieser Kampagne und sind sehr zufrieden. Und haben die Männer jetzt auch eingebunden. Ob Frau oder Mann: Im Alltag müssen wir alle Allrounder sein, um Beruf und Familie gut hinzubekommen. Da wollen wir sehr stark eingelernte Geschlechterrollen aufbrechen.

Filialen werden schrittweise erneuert, auch der Vorstand wurde neu gebildet

Die Neuausrichtung von  Bipa zeigt Wirkung. Während der Bruttoumsatz 2018 um 1,2 Prozent auf 730 Mio. Euro stieg, halbierte sich der Verlust. Der Jahresfehlbetrag lag bei minus 12,7 Mio. Euro, nach 24,9 Mio. Euro im Jahr davor, zeigt der Wirtschafts-Compass. 

Bipa hat rund 600 Filialen, schloss in den vergangenen Jahren unrentable Geschäfte und erneuert seit 2017 schrittweise. Im ersten Halbjahr 2019 habe der größte Umbau seit  Bestehen stattgefunden, in Summe seien 185 Filialen umgebaut bzw. modernisiert worden. 2020 werde „mit dieser Geschwindigkeit weiter renoviert und modernisiert“. Per Ende 2020 soll das Bipa-Filialnetz dann flächendeckend modernisiert sein. 

Auch auf Geschäftsführerebene wurde  umgebaut:  Markus Geyer – bislang Geschäftsführer Bipa Kroatien – rückte im Oktober in die Geschäftsführung  auf und komplettiert neben  Thomas Lichtblau und Michael Paterno das Team. Alle drei berichten an REWE International AG Vorstand Marcel Haraszti.  



 

Autor: 
Sandra Baierl