Das denkt Promi-Tätowierer Helmut Zeiner über das Tattoo-Farben-Verbot

Helmut Zeiner aka "Slimheli" über neuerdings verbotene Tattoo-Farben, prominente Kundschaft und selbst gelötete Nadeln.

Vor ein paar Jahren noch flog Helmut Zeiner nach Mailand, London und Manchester und stach Profisportlern Tattoos unter die Haut. Er sah Villen, Yachten und Clubs, war da, „wo das Geld regierte.“ Er rauchte schachtelweise, trank Energydrinks und zu viel Kaffee, schlief kaum. 2015 setzten zwei Herzinfarkte innerhalb von 36 Stunden dem Turbo-Leben ein jähes Ende. Heute reitet der 55-Jährige mit einem Pferd zur Arbeit.

ORF/Günther Pichlkostner

Helmut Zeiner zu Gast bei Stöckl

Das Tätowieren ist geblieben. „So lange, bis ich keine Tattoomaschinen mehr halten kann.“ Sein Studio, das lange in der Praterstraße in Wien war, mit den signierten Schuhen der Fußballprofis an den Wänden, übersiedelte er zu seinem Wohnort, ins niederösterreichische Mitterndorf.

Stars aus der Sportwelt

Er gehe es nun ruhiger an, sagt Zeiner, der nicht nur in seiner Zunft als „Slimheli“ bekannt ist, sondern weit darüber hinaus. Was wohl daran liegt, dass prominente Sportler wie Marko Arnautovic, Aleksandar Dragovic oder Mario Balotelli schon bei ihm unter der Nadel lagen.

Aber auch Top-Trainer und Athleten aus der Eishockey-, Box- oder Handball-Welt. „Ich tätowiere auch die Mama von Dominic Thiem. Jedes Mal, wenn der etwas gewinnt, kriegt sie von mir ein Tattoo. Der Bruder war auch schon da.“

"Ich behandle alle normal"

Das sei eben so gekommen, meint Zeiner – sicherlich nicht, weil er der Beste sei. „Ich behandle einfach alle gleich. Wenn der Marko zu mir kommt, setzt der sich nieder und wartet wie alle anderen. Der weiß, dass ich arbeite. Ich geh dann rüber, wenn ich eine Pause mach’. Das haben die Leute halt gemerkt. Ich behandle die alle normal. Und wenn ein Kunde ein Selfie will, dann organisier ich das.“

Wie lange er mit Tinte und Nadel hantiert, weiß Helmut Zeiner selbst nicht mehr so genau. „Es sind sicher schon über 20 Jahre. Aber nur, weil man mit dem Tätowieren anfängt, heißt das ja noch nicht, dass man gut stechen kann. Das dauert seine Zeit.“

Breakdance, Eishockey, Tätowieren

Mit dem Tätowieren sei es so gewesen, wie mit vielen seiner Hobbies: „Wenn ich irgendwo reinkippe, ist das ein großes Problem: Ich kann nicht mehr aufhören.“ So war es auch, als er mit 14 Jahren Breakdance entdeckte. Er hörte nicht auf zu trainieren und wurde so gut, dass er 1984 der erste Breakdance-Meister wurde.

„Ich habe in der Stadthalle vor 10.000 Leuten getanzt und vor 40.000 auf dem Stephansplatz.“ Dann kam die Eishockeyzeit, wo er sich in das Junioren-Nationalteam hochspielte und an einer Weltmeisterschaft teilnahm.

Einen Schulabschluss machte Zeiner, heute Vater von drei erwachsenen Söhnen, nie. Das Tätowieren lernte er nebenbei in seinem alten Job, als er für die ÖBB Gleise zusammenschweißte. Besonders gern sticht Zeiner Engel, Mutter-Gottes- oder Jesus-Bildnisse und er mag es barock. „Die Fußballer wollten sehr oft religiöse Motive.“

Keine Farben

Momentan aber ist er in seiner Berufsausübung eingeschränkt. Seit Anfang Jänner sind in der EU fast alle Tätowierfarben wegen Gesundheitsbedenken verboten. Erlaubt sind nur schwarze, weiße und graue Farben. Zeiner nimmt es, nach anfänglicher Verärgerung gelassen. „Ja, momentan ist’s schwer. Aber es wird sicher bald andere Farben geben. Das ist ja eine Geldquelle, man muss nur an all die Tattoo-Studios denken auf der Welt.“

Die Branche habe sich ohnehin in den zwanzig Jahren stetig verändert, so Zeiner. „Früher haben sich viele in unsere Studios gar nicht reingetraut, weil die so düster waren und überall Totenköpfe rumhingen. Heute schauen Studios wegen der Hygienevorschriften aus wie eine Praxis. Damals habe ich mir meine Nadeln noch selbst gelötet und Farben selbst gemischt. Das macht man zum Glück heute nicht mehr.“

Autor: 
Ornella Wächter