Das Mädchen, der Mechaniker

Technische Berufe sind immer noch oft männlich konnotiert. Im KURIER-Gespräch erzählt eine Mechatronikerin, über Gegenwind bei der Lehrstellensuche und was sie zur Besten macht.

In Österreich scheint es in den Köpfen mancher Menschen noch, gelinde gesagt, genaue Vorstellung darüber zu geben, für welchen Beruf Männer oder Frauen geeignet oder eben nicht geeignet seien. Vor allem technische Berufe sind vornehmlich männlich dominiert, während soziale Berufe (manchmal nicht einmal) unter vorgehaltener Hand als „typische Frauenberufe“ bezeichnet werden. Das sollte im 21. Jahrhundert schon lange kein Thema mehr sein. Ist es aber. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es gleich mehrere Initiativen gibt, die versuchen, Mädchen und Frauen in MINT- Berufe ( Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu bekommen. Um mit veralteten Strukturen aufzuräumen und das Potenzial einer Gesellschaft, nicht eines Geschlechts zu fördern.

Dennoch: Unter den Top-50-Lehrausbildungen, die am häufigsten von Mädchen gewählt werden, findet sich 2019 erst auf dem achten Platz ein technischer. Die Metalltechnik. Diese Ausbildung wurde 2019 von 1.077 Mädchen gewählt. Das sind drei Prozent aller Lehrlinge für dieses Fach in diesem Jahr. Bei der Mechatronik-Lehre waren sogar nur 0,9 Prozent weiblich.

Jennifer Oberegger ist 22 Jahre alt.Ausgebildete Mechatronikerin und so gut in dem, was sie tut, dass sie 2020 eigentlich für das Team Austria zu den EuroSkills2020 gefahren wäre und um den Titel der besten Fachkraft bei der Europameisterschaft gekämpft hätte (Veranstaltung Covid-bedingt auf unbestimmte Zeit verschoben).

Mit dem KURIER hat sie darüber gesprochen, dass der Traum, als Mädchen Mechanikerin zu werden, „kein Witz ist“ und was es braucht, um in der Technik meisterhaft zu sein.

AustrianSkills

KURIER: Frau Oberegger, sie sind mittlerweile Lehrlingsausbilderin im Fach Mechatronik für die Firma Infineon in Kärnten, wo Sie selbst Ihre Lehrausbildung gemacht haben. Wieso haben Sie sich für dieses Fach entschieden?

Jennifer Oberegger: Das war eigentlich Zufall. In der Hauptschule habe ich mich einmal getraut zu sagen, dass ich Mechaniker werden will. Nach der Reaktion meiner Kollegen aber nicht mehr. Die Kommentare haben mir gereicht.

Warum?

Sie haben gelacht. Das war für die ein Witz. „Du, als Mädchen ...“. Danach habe ich lange nur noch gesagt, dass ich etwas mit Computern machen möchte. Erst in der höheren Schule war ich selbstbewusster und habe ausgesprochen, dass ich mich als Mechaniker bewerbe.

Sie sagen Mechaniker, nicht Mechanikerin?

Ich gebe nicht viel auf Genderformen. Für mich ist es egal, ob ein -in dranhängt.

Wo haben Sie sich beworben und warum dann Mechatronik und nicht Mechanik?

Ich habe mich in der Gegend überall als Mechanikerlehrling beworben. Erfolglos. Eine Firma hat sich sogar geweigert, meine Bewerbung anzunehmen.

Wieso das?

Die haben immer gesagt, dass sie halt keine getrennten Umkleiden für Frauen haben. Aber gerade bei größeren Betrieben sollte doch das kein Problem sein. Das war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, ich kann etwas nicht machen, weil ich ein Mädchen bin. Dann habe ich den Mechatronik-Lehrplatz bei Infineon bekommen. Die haben das Ziel, 50 Prozent Frauen auszubilden.

Bei ihrer Bewerbung waren sie 17 Jahre alt. Hat sich seitdem etwas verändert?

Ja, ich sehe in Werkstätten immer öfter Mädchen auftauchen. Aber immer noch nur vereinzelt.

Sie und ihr Teamkollege haben Erfahrung bei Fachkräfte-Meisterschaften. Die EuroSkills wurde zwar verschoben, aber wie bereitet man sich darauf vor?

Die Mechatronik ist so weitreichend. Anders als in anderen Berufen unterscheidet sich der Wettbewerb von unserer täglichen Arbeit. Ich übernehme das Programmieren, mein Kollege das Verdrahten und Verschlaufen. Für den EuroSkills-Termin im September haben wir bereits im Februar mit dem Training begonnen. Der nächste Plantermin wäre im Jänner gewesen, dafür haben wir im August begonnen zu trainieren.

Was macht Sie, Ihrer Meinung nach, zur Besten?

Leidenschaft für den Beruf. Ohne der kann man nicht gut sein.

Autor: 
Diana Dauer