Das müssen Sie bei einem Berufswechsel wissen

Unglücklich im Beruf? Viele denken an eine Umorientierung. Ob das richtig ist und was man sich vorher überlegen sollte.

Mit 14 Jahren hat man oft andere Dinge im Kopf, als sich über die Berufswahl Gedanken zu machen. Viele werden bei der Entscheidung des Berufswegs vom sozialen Umfeld beeinflusst. Und dann: zehn, 20, 30 Jahre später hat man den Salat. Dann sitzt man in einer Karriere fest, die einen nicht oder nicht mehr erfüllt. Andere haben das Problem, dass sie sich für einen Beruf entschieden, den sie sich in der Praxis anders vorgestellt haben. In dieser Misere kann eine Umorientierung helfen. Der KURIER hat sich bei ExpertInnen umgehört, wie man den Wechsel richtig angeht und welche Fragen man sich stellen sollte:

Was will ich verändern?

Wenn man beruflich unglücklich ist, sollte man sich fragen, was genau man verändern möchte. Bin ich mit meiner Tätigkeit grundsätzlich zufrieden aber mit dem Arbeitgeber nicht, reicht ein Jobwechsel. Stelle ich aber fest, dass mir meine Aufgabe keine Freude bereitet, hat man andere Möglichkeiten. Einerseits eine Joberweiterung. Das bedeutet, dass man sein eigenes Tätigkeitsfeld durch die Aufgabe ergänzt, die man lieber machen würde. „Eine Controllerin, die lieber ins Personalwesen möchte, könnte statt eines kompletten Wechsels das Personal-Controlling übernehmen“, rät Karrierecoachin und Psychotherapeutin Sonja Rieder. Grundsätzlich sind Erweiterungen leichter zu bewerkstelligen. Auch eine Umorientierung in ein Feld, das dem Erlernten nahe steht, ist für die Betroffenen leichter.

Was will ich?

Oft weiß man noch gar nicht, was man statt des bisherigen Berufs machen möchte, man weiß nur, dass man weg davon will. „Ein Klassiker ist, dass sich Menschen ihren Job ganz anders vorgestellt haben. Und viele sind geschockt, wie wenig Entscheidungsspielraum sie in ihrem bisherigen Job haben“, berichtet Karriere-Coach Rieder, die Menschen bei der Umorientierung berät. Häufig hat man in der nächsten Karriere aber nicht unbedingt viel mehr Entscheidungsmacht. Viele Probleme haben weniger mit dem Beruf, sondern mit dem Arbeitsmarkt oder der eigenen Persönlichkeit an sich zu tun.

Was gebe ich auf?

Gibt man eine stabile Karriere auf, kann das finanzielle Einbußen mit sich bringen, erklärt auch Arbeitsmarktservice (AMS)-Experte René Sturm. Einerseits muss in die andere Ausbildung investiert werden, andererseits ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man im neuen Beruf nicht auf der gleichen Gehaltsstufe einsteigt, wie im alten Job. „Manche kommen ihre gesamte Erwerbskarriere nicht mehr auf das vorige Gehaltsniveau zurück,“ erzählt Rieder.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

"Es ist gut, wenn man in einer Lebenssituation ist, in der man nicht so viel Druck hat. Also keine Sorgepflichten oder wenn die Kinder schon groß sind“, weiß Sonja Rieder. Es kann zwei bis vier Jahre dauern, bis man im neuen Beruf ankommt. Oft arbeitet man dann auch eine gewisse Zeit auf einer Art Zwischenposition, bis man ganz in den neuen Job einsteigen kann. „Man muss über genug Ressourcen, sowohl zeitlich, als auch finanziell verfügen“, sagt auch René Sturm vom AMS. Denn oft muss neben dem alten Job bereits die Ausbildung für den neuen Job begonnen werden, oder man arbeitet bereits parallel in der neuen Branche.

Wie gehe ich vor und was braucht es?

Die ExpertInnen raten dazu, sich vor einer Entscheidung gut zu informieren. "Reden Sie mit Leuten, die in dem begehrten Feld tätig sind. Fragen Sie sich, ob Sie ausreichend Motivation haben. Erarbeiten Sie sich einen Plan B. Wissen Sie, worauf Sie sich zeitlich, finanziell und im neuen Beruf einlassen? Und: Sind Sie selbstbewusst genug, um Zweiflern in Ihrem Umfeld Paroli zu bieten?“, fasst Rieder zusammen. Beim Kündigen oder Wechsel rät der AMS-Experte zu Diplomatie und Transparenz.

Autor: 
Diana Dauer