Einstiegsgehalt: Welche Branchen am meisten bezahlen

Die Höhe des Einstiegsgehalts hängt von verschiedenen Faktoren ab. Auf welche Branche man setzen sollte und warum Ausbildung und Verhandlungsgeschick zweitrangig sind – ein Gehaltsexperte klärt auf.

Über Geld spricht man nicht? Sollte man vielleicht aber, denn gerade am Anfang einer Karriere ist es wichtig, Verdienstrahmen und Gehaltsmöglichkeiten zu kennen.

Ausbildung ist nicht der entscheidende Punkt

Abhängig ist das Einstiegsgehalt von den unterschiedlichsten Faktoren: Vom Jobanwärter selbst, seinen Qualifikationen aber auch einem gewissen Verhandlungsgeschick. Und natürlich vom Kollektivvertrag der Berufsgruppe und dem jeweiligen Unternehmen. „Letzteres spielt meistens die größte Rolle. Viele Betriebe bieten beim Einstiegsgehalt überhaupt keinen Verhandlungsspielraum, andere maximal fünf bis zehn Prozent. Mehr kann man am Anfang kaum aushandeln“, sagt Gehaltsexperte Conrad Pramböck. 

Die oftmals mit dem Gehalt in Verbindung gebrachte gute Ausbildung hat laut Pramböck dagegen nur bedingt Einfluss. „Sie ist sicher nicht der entscheidende Punkt, wenn es darum geht, ob Einsteiger viel oder wenig verdienen.“ Aber man habe mit einer guten Ausbildung bessere Chancen, den Top-Job überhaupt erst zu bekommen.  

 

Conrad Pramböck

Gehaltsexperte Conrad Pramböck


Welche Branche zahlt am meisten?

Im Durchschnitt verdienen Berufseinsteiger hierzulande zwischen 30.000 und 40.000 Euro brutto jährlich. Berufe im sozialen Bereich und im Einzelhandel liegen hier im unteren Bereich. IT-Techniker und Einsteiger in der Pharma-Branche oder im Finanzbereich haben hingegen die besten Chancen auf ein Gehalt über der 40.000 Euro-Marke. Damit liegt Österreich im internationalen Vergleich im oberen Mittelfeld, was die Einstiegsgehälter betrifft. „Mehr bezahlen etwa Deutschland oder die Schweiz. Frankreich, Belgien und Holland befinden sich etwa auf demselben Niveau wie Österreich“ , sagt Pramböck. Und das, obwohl es in den vergangenen  zehn Jahren hierzulande einen deutlichen Anstieg der Einstiegsgehälter gab. „In den zehn Jahren davor hat sich wenig getan. Die Einstiegsgehälter sind maximal mit der Inflation gestiegen und lagen großteils bei 30.000  bis 35.000 Euro brutto jährlich. Seit 2012 lässt sich kontinuierlich ein Anstieg beobachten“, berichtet Pramböck.  Ein Beispiel: Ein Master-Absolvent im Bereich Wirtschaft verdiente 2015 durchschnittlich 33.200 Euro. Heute liegt sein Einstiegsgehalt bei durchschnittlich 36.800 Euro. Ähnlich sieht es auch bei Juristen aus. Vor sechs Jahren noch lag ihr Einstiegsgehalt bei durchschnittlich 31.900 Euro, heute dagegen bei 35.100 Euro brutto jährlich.

Warum heute mehr bezahlt wird

Ursachen dafür gebe es mehrere: Zum einen die Überalterung, aufgrund derer es immer weniger junge Menschen gibt. Die Anforderungen der Unternehmen werden ebenfalls immer größer, der Pool an geeigneten, leistungsbereiten Kandidaten kleiner. Und die jungen Menschen legen einen viel größeren Wert auf ihre Work-Life-Balance als das noch vor 20 Jahren der Fall war. „Das alles hat meinen Beobachtungen nach dazu geführt, dass sich die Einstiegsgehälter heute tendenziell in Richtung 40.000 Euro brutto jährlich entwickeln. Aber – und das ist der springende Punkt – am Ende des Arbeitslebens bleibt das Gehalt bei 70.000 bis 80.000 Euro. Die Lebenseinkommenskurve ist also deutlich flacher geworden“, erklärt der Experte. 

Die Arbeitsmotivation sinkt

Und was macht diese Entwicklung mit jungen Menschen? Conrad Pramböck kennt viele Personalchefs, die über eine sinkende Motivation ihrer Mitarbeiter klagen. „Wenn man ab Mitte 30 nicht mehr so viel verdienen kann, fragen sich natürlich viele, ob es sich noch auszahlt, auch überdurchschnittliche Leistung zu erbringen.“ Hinzu kommen auch die  gestiegenen Lebenserhaltungskosten, die selbst für einen gut verdienenden Angestellten  nur schwer zu stemmen sind. „Viele haben erkannt, dass die eigenen Vorstellungen eines guten, erfolgreichen Lebens mit einem klassischen Angestelltengehalt nicht umsetzbar sind. Die hohen Kosten der täglichen Lebensführung lassen für Berufseinsteiger kaum finanziellen Spielraum. Statt mehr Gehalt wünschen sich viele mehr Zeit zum Leben.“  

Autor: 
Theresa Kopper