Genug vom überhitzten Büro? In diesen Co-Working-Spaces behalten Sie einen kühlen Kopf

Jeder zweite Österreicher würde laut einer EY-Umfrage in einem Co-Working-Space arbeiten. Anbieter reagieren auf den Trend mit neuen Konzepten.

Dort wo früher Schafe untergebracht waren, wird heute gearbeitet. Zwar nicht mehr im landwirtschaftlichen Sinne, aber nicht weniger produktiv. Die Rede ist vom 2kanter, ein Projekt von Michaela und Gernot Neuhauser. Vor fünf Jahren haben sie die Bio-Landwirtschaft im oberösterreichischen Engerwitzdorf übernommen und sich ein neues Nutzungskonzept überlegt.

Gregor Graf

Rundum-sorglos-Paket im 2kanter: Mieter eines Arbeitsplatzes können den Co-Working-Space auch als Firmenanschrift nutzen.

Entstanden ist ein moderner Co-Working-Space, der den Charme eines  Bauernhauses versprüht. „Wir haben uns in ganz Österreich unterschiedliche Co-Working-Spaces angesehen und  erkannt, dass offene Strukturen im Sinne eines Großraumbüros oft nicht optimal sind“, sagt Gernot Neuhauser im KURIER-Gespräch. 

Community ist das A und O

Auf zwei Etagen verteilen sich deshalb nun  zehn geschlossene Räume, die man als Einzel- oder Doppelbüros vermietet. Zusätzlich gibt es  Flextische, die tage- oder monatsweise gebucht werden können. Gemeinsam genutzt wird die Infrastruktur, zu der nicht nur zwei Meetingräume, High-Speed-Internet und ein Pigmentdrucker zählen, sondern auch eine Outdoor-Area als Gemeinschaftsfläche.

Apropos Gemeinschaft: Sie sei das  Herzstück des 2kanter. „Durch den gemeinsamen Arbeitsort lernen sich Menschen aus verschiedenen Branchen kennen. Für künftige Kooperationen sehe ich hier enormes Potenzial.“ Potenzial, das man mit  Aktivitäten und Veranstaltungen noch verstärkt. Um Letztere zu nutzen, muss man sich mittlerweile auch nicht mehr zwingend einmieten. „Dank der 2kanter-Membership geben wir nun auch  Externen die Möglichkeit, die Vorteile der lokalen Community zu nutzen.“

Wohnen und Arbeiten in der Natur

Ein gesundes, entlastendes Umfeld für gestresste Wissensarbeiter zu bieten, ist das Ziel des Start-ups Emma Wanderer. Dafür arbeitet man aktuell  an der Entstehung einer Reihe von Campi in und außerhalb Österreichs, die Arbeitnehmern die Möglichkeit geben sollen, zumindest für einen gewissen Teil ihres Arbeitsjahres den Schreibtisch in die Natur zu verlegen. 

Architekten W30

Der erste Emma Wanderer Campus eröffnet 2022 in Hieflau.

„Ich persönlich arbeite schon immer als Digitaler Nomade“, erzählt CEO Andreas Jaritz im KURIER-Interview. „In den vergangenen Jahren ist aber bei vielen Menschen das Bedürfnis herangewachsen, temporär woanders zu wohnen und zu arbeiten. Und genau das wollen wir mit unserem Konzept aufgreifen.“

Produktivität in der Natur

Der erste Campus soll  in diesem Jahr im kleinen Ort Hieflau in der Nähe des Nationalparks Gesäuse eröffnen. Bieten wird er neben einem Haupthaus für den Co-Working-Space auch Übernachtungsmöglichkeiten wie  Tiny Houses, Mini Studios und sogar Abstellplätze für Campingbusse.  

Für den Austausch sorgen Begegnungszonen, eine Gemeinschaftsküche und gemeinsame Freizeitaktivitäten in der Natur.  „Ein  Naturkonsum mit festgelegtem Actionprogramm soll Letzteres aber nicht sein“, sagt Jaritz. Ziel sei viel mehr Freiraum und Entspannung, um die gesunde Produktivität in der Natur zu fördern. „Und das gilt  nicht nur für digitale Nomaden, sondern für alle, die eine Auszeit vom (Home-)Office-Alltag und sich dabei mit Gleichgesinnten vernetzen, zur Ruhe und in ihre Kreativität kommen wollen.“

Freiluft-Büro in der Großstadt

Die Pandemie hat unsere Art zu arbeiten verändert. Das weiß auch Stephanie Drlik. Sie ist Landschaftsarchitektin und führt das „Bureau Lapropos“ in der Gusindegasse, im 13. Wiener Gemeindebezirk. „Vor unserer Tür befindet sich ein  einladender Park. Gerade in den Sommermonaten hätten wir den sehr gerne zum temporären Arbeiten oder für Meetings genutzt. Allerdings haben wir erkannt, dass die Freifläche dafür einfach nicht wirklich ausgelegt sind“, erzählt sie im KURIER-Gespräch.

Johannes Hloch

Die Arbeitsstationen im Park bieten einen Ausgleich zum überhitzten Büro.

Als Landschaftsarchitektin habe sie deshalb den Drang verspürt, dies zu ändern. Und so hat sie das Forschungsprojekt „Vienna Park Working“ ins Leben gerufen, um zu untersuchen, was es zum Arbeiten im Park braucht, was zukünftige Nutzer darüber denken und wie eine wienweite-Arbeitsinfrastruktur umgesetzt werden könnte.  

Kostenloses Angebot für alle

Ziel der Forschung ist  die Entwicklung energieautarker, Photovoltaik-betriebener  Freiraumarbeitsplätze in  öffentlichen Wiener Parkanlagen.  Zwei Prototypen werden seit einigen Monaten  im  Adele-Jelinek-Park  und im Schönbornpark getestet.  Und die Resonanz auf die schattigen Freiraum-Arbeitsplätze sei  vielversprechend, die Menschen hätten ein großes Bedürfnis, das oftmals überhitzte Büro gegen einen schattigen Arbeitsplatz im Freien einzutauschen.

Als klassischen Co-Working-Space versteht Drlik das Park Working allerdings nicht. „Wir wollen ein Angebot an die breite Öffentlichkeit schaffen. Unsere Arbeitsplätze sind frei zugänglich und können inklusive Stromversorgung kostenlos genutzt werden.“ 

Das müssen Sie bei der Arbeit im Co-Working-Space rechtlich beachten

Auf den Ort kommt es an:  Anders als oft angenommen, gilt die Arbeit in einem Co-Working-Space nicht als Homeoffice. „Unter Homeoffice wird die regelmäßige Erbringung der Arbeitsleistung in der Wohnung der Beschäftigten verstanden, aber auch ein Zweitwohnsitz oder die Wohnung eines Lebensgefährten fallen darunter“, erklärt Arbeitsrechtsexpertin und fwp Partnerin  Monika Sturm.  Die Arbeit außerhalb der Wohnung oder dem Betrieb, etwa in einem Co-Working-Space, gilt dagegen als Mobile Working. Dies wird, anders als das Homeoffice, nicht gesetzlich definiert.  

Wer stellt die Arbeitsmittel bereit? Haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer Homeoffice vereinbart (Vereinbarung muss schriftlich sein), so ist Ersterer unter anderem zur Bereitstellung von Arbeitsmitteln verpflichtet. Macht er das nicht, muss er einen Kostenersatz aufbringen. „Bei Mobile Working (mündliche Vereinbarung reicht aus) hingegen sind diese gesetzlichen Bestimmungen nicht zwingend. Und ein Kostenersatz für die Nutzung privater Arbeitsmittel kann vertraglich ausgeschlossen werden“, so Sturm. 

Wer haftet im Ernstfall? Auch bei dieser Frage gibt es  Unterschiede zwischen Homeoffice und Mobile Working. „Verursachen im Homeoffice nämlich im gemeinsamen Haushalt mit dem Dienstnehmer lebende Personen einen Schaden, etwa an bereitgestellten Geräten, so sind die privilegierten Haftungsregelungen des Dienstnehmerhaftpflichtgesetzes sinngemäß auch auf diese Personen anzuwenden. Bei Mobile Working gelten die Haftungsbestimmungen für Haushaltsangehörige  nicht.“  

Autor: 
Theresa Kopper