"Im Homeoffice müssen wir lernen, Grenzen zu setzen"

Wie das Arbeiten von zuhause für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gut funktionieren kann, erklärt Arbeitspsychologin Klaudia Brandstätter.

Nach den vergangenen Monaten lassen es die Infektionszahlen endlich wieder zu, soziale Kontakte zu pflegen, Menschen zu treffen. Ins Büro wollen dennoch viele nicht zurück. Warum?

Klaudia Brandstätter: Weil sich viele Beschäftigte an die Vorteile von Remote Work gewöhnt haben. Selten zuvor war eine flexible Arbeitszeitgestaltung und die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Freizeit so einfach möglich wie heute.

Auch weil die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem zunehmend verschwimmen.

Das tun sie, deshalb braucht es einen  Rahmen. Mein Tipp ist es, gewisse Routinen  festzulegen, die dem Gehirn vermitteln: „Jetzt bist du in der Arbeit“. Eine tägliche Arbeitsplanung hilft zudem, produktiv zu bleiben. Und das bewusste Beenden der Arbeit ist im Homeoffice ebenfalls wichtig. Nur so kann man Abgrenzung schaffen.  

Abgrenzung ist das eine, die Anbindung an ein Team das andere. Geht Letzteres nicht verloren?

Definitiv und das merken viele Teams mittlerweile. Auch das Onboarding ist unter diesen Rahmenbedingungen erschwert. Nachdem Formen von Homeoffice vielfach wohl bleiben werden, sind besonders Führungskräfte angesprochen, um förderliche Rahmenbedingungen hierzu zu schaffen.

Kann  die Plauderei in der Kaffeeküche durch digitale Tools ersetzt werden?

Nein, deshalb ist es auch so wichtig, dass sich die Teams trotz Remote Work in regelmäßigen Abständen persönlich sehen. Am besten dafür eignen sich eigens organisierte „Team-Tage“ im Büro oder auch auswärts, an denen nicht nur  reflektiert wird, sondern etwa auch die „Spielregeln“ für das Arbeiten zuhause gemeinsam erarbeitet werden. Förderlich für die Teambindung ist es, wenn solche Zusammenkünfte mit einem Spaßfaktor einhergehen.

Was meinen Sie mit Spielregeln?

Klar definierte Richtlinien, beispielsweise wie man mit der Erreichbarkeit im Homeoffice umgeht oder wie Mitarbeiter am besten signalisieren, dass sie für einen gewissen Zeitraum ungestört arbeiten möchten. So kann man Unzufriedenheit und Konflikten vorbeugen.   

Klaudia Brandstätter ist freie (Arbeits-)Psychologin und führt die Praxis "Fit im Beruf".

Autor: 
Theresa Kopper