Jung, joblos, machtlos: Wie Studiernde durchs Raster fallen

Zu 380.000 Studierenden auf ihren Sofas gesellt sich die Existenzangst. Nebenjobs und Einstiegsjobs fehlen.

"Lost“, also das englische Wort für verloren, ist das Jugendwort des Jahres 2020. Die Jugend und viele der rund 380.000 Studierenden in Österreich fühlen sich in der Coronakrise oft verloren.

Denn Lockdowns setzen auch junge Menschen häufig unter psychischen Druck, durch Isolation, Leistungsdruck und Zukunftsangst.

Das Coronaloch im Lebenslauf wird größer, die Sorge um die eigene Zukunft und finanzielle Existenz wird immer spürbarer.

Kein Sicherheitsnetz

Ein Grund dafür ist, dass viele Junge durch alle Sicherheitsraster der Corona-Hilfsmaßnahmen fallen und nun ohne Erwerb dastehen – das betrifft vor allem jene, die nicht auf die finanzielle Unterstützung der Familie zählen können.

Eine Erhebung des Instituts für Höhere Studien (IHS) aus dem Jahr 2019 hat ergeben, dass 65 Prozent der Studierenden erwerbstätig sind. Rund die Hälfte der Erwerbstätigen, also ein Drittel aller Studierenden, waren vor der Krise geringfügig beschäftigt.

In der Altersgruppe von 20 bis 29 ging die Zahl dieser Beschäftigungen im Oktober um 19,8 Prozent zurück.

Mit dem Lockdown II könnte sich diese Situation verschärfen. Geringfügige haben weder ein Recht auf Arbeitslosengeld noch auf Kurzarbeit.

Hinzukommt, dass mit 25, 26 Jahren Familienbeihilfe und Studienbeihilfe wegfallen. Bei Studierenden ab 25 Jahren ist die Erwerbstätigkeit die wichtigste Einnahme. Der Durchschnitt der Studierenden ist 27 Jahre alt.

Mehr Arbeitsstunden

In Österreich arbeitet die Hälfte der erwerbstätigen Studierenden mehr als geringfügig. 67 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten ausschließlich zur Bestreitung des Lebensunterhalts. In Fall einer vollversicherten Anstellung wären die Personen zwar von Arbeitslosengeld oder Kurzarbeit gestützt, die Sorge um die Zukunft aber bleibt.

Paul (Name geändert) ist 29 Jahre alt. Er hatte neben seinem Studium zwei Jobs. Als Portier in einem Hotel – da ist er vorerst bis April auf Kurzarbeit. Den anderen Job, bei dem er auf Honorarbasis gearbeitet hat, gibt es nicht mehr. „Ich komme über die Runden aber ohne erweiterte Familienbeihilfe wäre es mehr als eng.“

Berufseinstieg praktisch unmöglich

Ein weiteres Problem betrifft diejenigen, die nun ihr Studium abschließen und den Berufseinstieg versuchen. Einstiegsjobs sind in vielen Unternehmen gestrichen worden.

Auch Naomi W. (25) wollte nun in ihrem Feld beruflich einsteigen, hat sie Suche aber aufgegeben und einen Nebenjob in einem Theater begonnen. „Die haben nun auch zu. Und keiner weiß, wie lange. Das ist jetzt schon eine lange Zeit ohne etwas zu verdienen. Wenn ich lese, dass das die schlimmste Wirtschaftskrise, seit 1929 sein könnte, ja, dann habe ich Zukunftsangst. “

Autor: 
Diana Dauer