Kein hitzefrei für Dresscodes im Job

Im klassischen Business geht nichts ohne Hemd und Sakko, Start-ups sind oft toleranter. Ein Manager und eine Managerin über ihre Kleiderwahl.

Es ist werktags und die Wetter-App kündigt mal wieder über 30 Grad im Schatten an – Anzughose und Hemd hängen schon griffbereit am Bügel. An solchen Tagen ist in der Geschäftswelt wohl keiner ein großer Fan von Kleiderregeln. Aber leider gibt es auch bei Hitzerekorden in Sachen Dresscode keinen größeren Spielraum.

Die Regeln sind einfach, aber streng: Kurze Hosen, Flip-Flops und Spaghetti-Träger sind im Beruf ein No-Go. „Im Business-Kontext zählt der erste Eindruck und der wird innerhalb von Sekunden gebildet", sagt Image- und Stilberaterin Bettina Kohlweiss. Besser, man bewegt sich innerhalb der Grenzen des Möglichen. Und das kann folgendermaßen ausschauen:

Klassisches Business mit Kontrast

Wolfgang Deutschmanns Unternehmen Rockets Holding zählt zu den größten Crowdfunding-Plattformen Österreichs und so hat der CEO beruflich gleichermaßen mit jungen Start-ups und konservativen Branchen zu tun. Seine Outfit-Wahl bewegt sich damit stilistisch dazwischen:

ROCKETS Holding

Besitzt etwa 20 Sakkos und fast nur weiße Hemden und T-Shirts: Wolfgang Deutschmann, CEO der Rockets Holding

„Grundsätzlich mag ich bei meinen Outfits die Mischung elegant-sportlich, trage aber fast immer ein Sakko dazu“, beschreibt der 27-jährige Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Rockets Holding seinen persönlichen Geschmack.

„Hemd und Hose fallen bei mir eher schlicht aus, bei Schuhen setze ich gern auf Kontraste, die tanzen bei mir immer aus der Reihe.“ Von Nieten über Stickereien bis hin zu auffälligen Farbtupfern sei alles dabei.

Lange Ärmel werden hochgekrempelt

Allerdings wird die Wahl der Garderobe an das Umfeld angepasst: „Wenn ich weiß, mein Gegenüber wird einen Anzug tragen, mache ich das auch. Damit sind wir auf Augenhöhe.“ Ausnahmen: Eine Krawatte würde er nie tragen, hitzefrei bekommen Hemden und lange Hosen auch bei Wolfgang Deutschmann nicht. „Das löse ich mit leichten Stoffen und Dreiviertelhosen. Lange Ärmel werden hochgekrempelt.“

Kurzärmelige Hemden mit Krawatte? „Nein, das wirkt komisch“. „Das passt in kein Büro“, betont auch Stil-Expertin Bettina Kohlweiss. Vielmehr rät sie Männern, beim Einkaufen auf gute Materialien zu achten. Baumwolle, Cool Wool oder Seide wären bei warmen Temperaturen angenehmer und geruchsneutraler als Kunstfasern. An Anzugschuhen kommen Männer im strengen Business-Kontext leider nie vorbei.

Locker in der Start-up-Szene

Schulterfreie Tops, sind für Petra Hauser in Ordnung. Sie zögert auch nicht, auch mal mit Birkenstock-Sandalen zur Arbeit zu gehen. Die Gründerin des Exponential Business Hub und baldige Geschäftsführerin des Coworking Space Talent Garden in Wien, hat einen entspannten Zugang, wenn es um die Outfit-Wahl im Büro geht.

Andreas Hofer

Mit Blazer und Anzughose zeigt sich CEO Petra Hauser nur mehr selten, Ballerinas und hohe Schuhe verstauben im Schrank

„Bei mir muss es bequem sein. Ich trage gerne Boyfriend-Jeans, Sneakers und dazu normale T-Shirts.“ Kostüme und weiße Blusen kennt Petra Hauser noch aus Führungspositionen in steiferen Branchen. „Röcke und weiße Hemden wurden bei mir aber vor ein paar Jahren aussortiert.“

Auch Jacketts trage sie nur mehr selten, etwa bei formellen Terminen mit Corporates oder Präsentationen. Generell seien Kleidervorschriften in der Start-up-Blase kein Thema, so Hauser. „Hier muss man seinen Status nicht mehr über die Kleidung ausdrücken.“

Mehr Freiheit, mehr Fehltritte

Im Gegensatz zu Männern haben Frauen mehr stilistische Freiheiten – was allerdings auch mehr Fehltritte zur Folge haben kann, so Bettina Kohlweiss. Männer sind mit Hose und Hemd schnell passend gekleidet, Frauen können bei der Wahl ihres Rockes schon öfter falsch liegen.

Diese sollten maximal handbreit über dem Knie enden und bestenfalls Knie bedecken. „Maxi-Kleider wiederum sind unpassend“, so die Stilexpertin. Bei der Schuhwahl haben Frauen mit Peeptoes und Slingpumps mehr Spielraum, aber allzu offene Schuhe sind verpönt: „Im Business zeigt man keine Zehen.“