Nachgefragt: Verlieren wir den Bezug zu Geld, Herr Josef Wegenberger?

Der Wirtschaftspsychologe ist überzeugt, dass Bargeld nie verschwinden wird, dennoch steigt der Anteil der digitalen Bezahlung. Was macht das mit uns?

KURIER: Wir bezahlen immer öfters mit dem Smartphone. Verlieren wir so den Bezug zu Geld?

Josef Wegenberger: Eine Gegenfrage. Wie hoch ist der Geldstapel von einer Milliarde Euro in Hunderter-Scheinen?

Ein paar Meter?

Sieben Stapel, so hoch wie der Stephansdom. Keiner hat wirklich eine Vorstellung von Geld, ob nun digital oder analog. Denn Geld braucht immer einen Bezug zum Gegenwert: Viele wissen zum Beispiel, was man mit einer Millionen alles kaufen kann. Das digitale Bezahlen entfremdet uns aber. Nicht nur, dass man sein Geld physisch nicht in der Hand hat, per Handy dauert die Bezahlung ja auch nur Sekunden. Es geschieht also sehr unbewusst und fast automatisch.

Werden wir dadurch schlechter mit unserem Geld haushalten?

Jene, die mit Geld schlecht umgehen können, werden es digital noch schwerer haben.

Wird die Verschuldung durch digitale Bezahlmöglichkeiten langfristig zunehmen?

Ja, das unterschreibe ich.

Autor: 
Claudia Weber