Nachhaltigkeits-Pionier: "Wir investieren nicht mehr in fossile Energien"

Österreichs Nachhaltigkeits-Pionier Wolfgang Pinner, Fondsmanager bei RCM, über den Druck, den Anleger auf Firmen ausüben können.

Ökologisch, sozial und ethisch sinnvolle Investments sind das Leib- und Seelenthema von Wolfgang Pinner. Schon um das Jahr 2000 herum begann er sich – damals als Veranlagungsexperte in der VBV Pensions- und Vorsorgekasse – damit zu beschäftigen. Seither schrieb er einige Bücher über nachhaltiges Investieren. Bei Raiffeisen Capital Management (RCM) leitet er seit 2013 den Bereich „Social Responsable Investment“. Mit dem KURIER sprach er über den Boom des nachhaltigen Investments, das aus der Öko-Nische kommt.

KURIER: Herr Pinner, was hat Sie so früh zu diesem Thema gebracht?

Wolfgang Pinner: Die Einführung der Vorsorgekassen 2003 war ein Kompromiss der Regierung mit den Gewerkschaften. Die haben das Soziale in den Vordergrund gerückt. Das Soziale musste daher auch ins Investment eingebracht werden.

Heute ist Klimawandel das große Thema. Richtet sich Ihre Veranlagungsstrategie danach aus?

Klimawandel war schon 2007 ein Thema. Da wurden schon Klimawandelsfonds aufgelegt. Diese haben in Solaraktien investiert und damit viel verloren. Firmen wie Solarworld gibt es ja nicht mehr.

Ist Geldanlage in Klimaschutz also riskant?

Ich glaube, das ist jetzt besser abgesichert. Wir haben Zusagen der Länder zum Pariser Abkommen. Wir sehen aber von den Kunden deutlich mehr Nachfrage nach nachhaltiger Geldanlage. Ich denke, Nachhaltigkeit wird sich jetzt extrem gut entwickeln.

Klimawandel als Zugpferd der Geldanlage?

Nachhaltigkeit ist nicht nur Klima. Da geht es auch um das Gender-Thema, um den Umgang mit Mitarbeitern, Lieferanten und Biodiversität.

REUTERS/Andrej Ivanov

Schafft nachhaltige Veranlagung eine Veränderung in Unternehmen?

Über unsere Dialoge und das Abstimmungsverhalten in Hauptversammlungen kann man natürlich etwas bewirken. Das setzt Unternehmer unter Druck. Aber eine Änderung der Unternehmensstrategie erreichen wir alleine nicht.

Wie weiß ein Anleger, was ein guter Nachhaltigkeitsfonds ist?

In Österreich lassen wir die Fonds von unabhängigen Partnern prüfen. Das ist zum einen das Umweltgütesiegel, zum anderen das FNG-Siegel vom Forum Nachhaltiger Geldanlage. Bei internationalen Fonds ist das schwieriger. Den Daten vertraue ich nicht. In Österreich weiß ich, was drinnen ist.

Was ist drinnen?

Wir verwenden Ausschlusskriterien: also z. B. keine Veranlagung in Atomkraft, Waffenindustrie. Zum anderen wird Soziales und der Umgang mit Mitarbeitern sowie Umwelt- und Klimaschutz geprüft.

Welche Investments schließen Sie aus?

Wir haben in unseren Nachhaltigkeits-Fonds gar keine Unternehmen mehr, die mit fossilen Energieträgern produzieren. Wir haben auch keine Auto- oder Airline-Aktien.

Wie sieht es mit den Renditen aus?

Ich denke, die Renditen sind ein Grund für den aktuell starken Zulauf. Sie sind zumindest gleichwertig mit anderen Veranlagungen. Das zieht. Es ist fast schwierig ein Argument zu finden, warum man nicht nachhaltig veranlagen sollte.

Autor: 
Irmgard Kischko