Papier in der Krise: Kleine Läden unter Druck

Mit einem Damoklesschwert namens Energiekrise über dem Kopf wartet die heimische Papierbranche auf das, was kommt. Bereits eingetroffen sind Papierpreis-Erhöhungen von 100 Prozent, die Steigerung von Druckkosten sowie unvorhersehbare Lieferzeiten, die einiges an Flexibilität abverlangen.

„Corona war eine solch große Herausforderung, dass uns nichts so schnell mehr erschüttern kann“, so Teresa Scheicher, Inhaberin der Wiener Papeterie Paperbird. Und doch ist die Stimmung angespannt. Denn die Papierbranche ist eine energieintensive – sowohl in der Herstellung als auch in der späteren Verarbeitung.

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Teresa Scheicher, Inhaberin von Paperbird in Wien, Innere Stadt

Allein der Papierpreis ist im Laufe des vergangenen Jahres laut dem österreichischen Verband für Druck und Medien um 100 Prozent gestiegen, parallel dazu auch der Preis für Gedrucktes. Zwischen zehn und zwanzig Prozent Mehrkosten bei Druckaufträgen verortet Matthias Bauer, Inhaber der La Papeteria in Wien, Margareten. Auch Teresa Scheicher berichtet Ähnliches: „Der Großteil unserer Lieferanten hat die Preise erhöht. Einige Firmen haben Preisanpassungen vorab ausgeschickt, bei anderen konnte ich die Anhebungen im Lieferschein ablesen.“

Preiserhöhungen im Verkauf sind die logische Konsequenz, wenn auch steigende Energiepreise, die allein durch die Geschäftsbetreibung anfallen, nicht auf die Ware aufgeschlagen werden können. „Man muss sich immer im Bereich des Machbaren bewegen – bei einer Grußkarte gibt es nur eine gewisse Preisspanne, die akzeptabel ist. Alles, was außerhalb liegt, führt dazu, das Produkt bei der nächsten Lieferung nicht mehr zu bestellen“, so Scheicher. Um explodierende Kosten zu umgehen, erledigte die La Papeteria den Weihnachtseinkauf statt im Spätsommer heuer erstmals im Frühling. So kann die Ware im Dezember voraussichtlich mit einem Maximal-Aufschlag von zehn Prozent angeboten werden.

Die Kundschaft zeigt bislang Verständnis für etwaige Änderungen in Sortiment und Preis, wenn auch das Bewusstsein bei den Unternehmern vorhanden ist, dass bei Luxusgütern für gewöhnlich als Erstes gespart wird. „Natürlich ist eine große Angst da, dass sich die Energiekrise vor allem auf die Kaufkraft der Menschen auswirken könnte“, sagt Matthias Bauer, der aus diesem Ansatz heraus das Gehalt seines eigenen Teams um zehn Prozent erhöht hat. „Unser Gedanke ist: Wenn nicht wir damit anfangen, wer soll sich dann noch bei uns etwas kaufen können?“

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Im Gespräch mit Matthias Bauer, Co-Inhaber der La Papeteria in Wien, Margareten

Ein Aufatmen gibt es im Bereich der Papierknappheit: Musste Matthias Bauer im vergangenen Jahr aufgrund von Lieferengpässen und zu wenig Rohstoff für edle Papiere noch auf Alternativen umsteigen, scheinen die Lager jetzt gefüllt. Das bestätigt auch die Branchenvereinigung Austropapier. Fragt man die Druckereien, braucht es jedoch einiges an Einsatz, um rechtzeitig an die gewünschten Produkte zu gelangen. Hatte man in den vergangenen Jahrzehnten die volle Auswahl, heißt es auf bestimmte Papiersorten aktuell drei bis vier Monate Wartezeit. Das schlägt sich wiederum andernorts nieder: „Früher haben wir Sitzpläne bei Hochzeiten erst zwei Tage vor Abholung in Auftrag gegeben. Jetzt ist das unmöglich, denn die Standard-Rückmeldung ist, dass sich der Druckauftrag verzögert“, berichtet Bauer.

Gegenseitiges Verständnis ist dennoch vorhanden: Hat jeder Papier-Akteur gerade sein eigenes Päckchen zu tragen. Wiegt in der Industrie die Versorgungssicherheit bei Gas am schwersten, konzentrieren sich die Druckereien darauf, eine stabile Auftragslage zu generieren und nicht durch elektronische Medien substituiert zu werden.

Autor: 
Jennifer Corazza