Reich werden wäre gar nicht so schwierig

Frauen beschäftigen sich zu wenig mit ihren Finanzen. Zwei Frauen haben es getan und darüber ein Buch mit Tipps geschrieben.

In ihrem Buch „Money Queen“ geben zwei Journalistinnen Frauen Tipps, um Herrin über der eigenen Finanzen  – und ein bisschen reicher – zu werden. Eine von ihnen, Angelika Slavik, gibt im KURIER-Gespräch Tipps.

KURIER: Welchen großen Fehler machen Frauen im Umgang mit Geld?

Angelika Slavik: Der größte Fehler ist sicher, sich nicht damit zu beschäftigen. Auch wenn man sich nur ein bisschen damit beschäftigt, hat das einen großen Effekt.

Woher stammt diese Berührungsangst?

Geld ist kein klassisches Frauenthema. Es liegt schon an der Sprache, die abschreckend ist. Wenn man sich das erste Mal mit Finanzen beschäftigt, versteht man kein Wort. Frauen haben mit dem Thema von Kindheit an weniger zu tun. Zuerst erledigt der Papa die Finanzen, dann der Ehemann. Frauen werden über ihr ganzes Leben hinweg strukturell finanziell benachteiligt. Frauen erben weniger, verdienen weniger, bekommen weniger Pension und schon Mädchen bekommen weniger Taschengeld als Buben.

Welche Gründe sehen Sie für die Benachteiligung?

Es gibt keine Tradition von wirtschaftlicher Unabhängigkeit von Frauen. Es ist noch nicht so lange her, dass Frauen nicht einmal alleine ein Konto eröffnen durften. Und das Leben von Frauen ist oft sehr voll. Man hat eine Familie, Arbeit, das soziale Leben wird meist von der Frau organisiert. Man hat immer viel zu tun und da wird das Thema hinten angestellt. Es ist ja auch sympathisch zu denken, man hat wichtigeres zu tun, als die ganze Zeit darüber nachzudenken, wie man reicher wird. Aber das kann sich fatal auswirken.

In den 60er und 70er Jahren haben Frauen das Geld oft verwaltet. Wie wird das heute aufgeteilt?

Damals haben Frauen das Geld verwaltet, das ihnen der Mann zugeteilt hat. Sie war nicht die Herrin der Finanzen. Heute ist das sehr unterschiedlich. Ich glaube, dass viele Paare im Alltag gut damit zurecht kommen. Aber man spricht auch unter Paaren heute nicht über Finanzen. Egal, ob man verheiratet ist oder nicht. Wenn, dann sprechen Männerrunden über Geld. In Frauenrunden wird eher weniger gesagt „Ich habe mir jetzt einen ETF gekauft.“ In Frauenrunden geht es um die Kinder, die Ehe.

Edition a

Money Queen ist erschienen im edition a Verlag um 20 Euro.

Welche Tipps geben Sie Frauen?

Der wichtigste Tipp ist, dass man sich eine Spaßrendite abschneidet. Es ist gut, wenn man alles optimiert, aber man braucht auch Spaß im Hier und Jetzt und heute. Ein weiterer Tipp ist, nicht in die Teilzeitfalle zu tappen, also offiziell Teilzeit zu arbeiten, aber in Wirklichkeit 100 Prozent zu arbeiten. Und ich rate, mit dem Partner die Finanzen zu verhandeln, bevor man heiratet. Aus Sicht des Staates ist eine Hochzeit auch eine wirtschaftliche Vereinbarung. Das ist vielen nicht bewusst.

Wie sollen die Kosten aufgeteilt werden? Aliquot zum Einkommen?

Jeder sollte sein eigenes Konto behalten und eigenes Geld zum Ausgeben. Und ein gemeinsames Konto für gemeinsame Ausgaben.

Zu welchem Investitionsprodukt raten Sie?

Ich versuche die Leute zu Aktien zu ermutigen. Die Aktienquote ist sehr gering. 17 Prozent der Männer haben Aktien und nur sechs Prozent der Frauen. Dabei sind gerade Aktien, die man lang hält, ein sinnvolles Investment und eines, wo man nicht viel Geld braucht um einzusteigen. Man kann auch mit 50 Euro im Monat gut anfangen.

Wo sehen Sie großes Sparpotenzial?

Es kann helfen, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und sich anzusehen, in welchen Situationen man etwas kauft. Möchte man sich etwas kaufen, um sich glücklich zu machen, ist das durchaus legitim, find ich. Aber vielleicht kann man es umlenken und sich einen neuen Lippenstift und nicht eine neue Handtasche kaufen. Emotional hat das oft den gleichen Effekt, aber ein Lippenstift ist meist günstiger.

Karl Lagerfeld hat gesagt „Man muss das Geld zum Fenster rauswerfen, damit es zur Tür wieder reinkommt.“ Entspricht das Ihrer Erfahrung?

Meine Erfahrung ist, wenn man ein positives Verhältnis zu seinem Geld entwickelt, dann kommt mehr bei der Tür herein.

Zur Person

lukas beck

Angelika Slavik: Journalistin mit Geldaffinität

1982 in Wien geboren, zog es Angelika Slavik nach ihrem Studium der Politikwissenschaften zu Der Standard und danach zum Format. Seit 2007 arbeitet sie für die Süddeutsche Zeitung, seit 2015 als Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

Autor: 
Andrea Hlinka