Salamander-Chef Klaus Magele: „Das Ende der Saisonen“

Klaus Magele im Interview über die Feinde des Schuhhandels und warum man einen Schuh unter 100 Euro nicht kaufen sollte.

Wenn sich jemand im Schuhgeschäft auskennt, dann Klaus Magele: der Geschäftsführer von Salamander ist seit 25 Jahren im Unternehmen, war immer schon im Schuhhandel tätig. Wir treffen ihn in der Filiale Kärntnerstraße, an einem Regentag. Das ist relevant, lernen wir. Denn: Schuhe verkaufen ist eine Frage des Wetters.

KURIER: Draußen regnet’s. Ist das ein guter Tag, um Schuhe zu verkaufen?

Klaus Magele: Nein. Wenn es draußen regnet, leidet die Kundenfrequenz. Aber morgen ist es besser, dann brauchen die Leute neue Schuhe.

Ist Schuhverkauf wetterabhängig?

Definitiv. Wir leiden unter dem Klimawandel. Ernsthaft. Die Saisonen verschieben sich und auch die Jahreszeiten. Wir hatten früher Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Heute gibt es zwei Saisonen: Sommer und Winter. Eigentlich Herbst, weil den richtigen Winter gibt es auch nicht mehr.

Sie haben noch einen zweiten Feind: Online.

Stimmt. Und eigentlich sind es drei Feinde: Klimawandel, Online und die Regulierungen, denen wir im Handel unterliegen, vor allem bei den Öffnungszeiten. 30 Prozent der Verkäufe sind Online und 65 Prozent davon gehen ins Ausland. Dieses Geld ist weg. Sehr bitter für die Volkswirtschaft.

Kurier/Gilbert Novy

Klaus Magele im Gespräch mit KURIER-Journalistin Sandra Baierl über die Feinde im Schuhhandel

Warum bestellt man nicht bei österreichischen Schuhhändlern?

Weil die Übermacht von Zalando und Amazon so groß ist. Was ich verachte: Zalando verwendet Risikokapital, um den Markt zu zerstören. Die haben noch keinen Euro verdient.

Da sind die Kunden nicht sensibel beim Einkauf?

Nein. Jetzt wählen 14 Prozent grün, Greta Thunberg tourt durch die Welt – aber man bestellt im Internet. Internet muss sein, kein Thema. Aber man sollte zumindest in Österreich kaufen.

Ihr Online-Anteil am Umsatz?

Zwei bis drei Prozent. Wir sind im Aufbau.

Sind Schuhe überhaupt eine gute Bestellware?

Eigentlich überhaupt nicht. Weil ein Schuh muss ja in drei Dimensionen passen. Deshalb wird so viel retour gesendet. Ich rate außerdem dazu, sich beraten zu lassen und Qualität zu kaufen.

Apropos Qualität: Wo werden Schuhe gemacht?

Unsere in Europa – zu 90 Prozent.

Was ist dem Kunden ein guter Schuh wert?

Unter 100 Euro ist ein guter Schuh eigentlich nicht möglich. Wenn sie billiger kaufen, gibt es immer Verlierer: die Umwelt, die Menschen in der Produktion, die Qualität. Anders geht es nicht. Das ist wie beim Hendl: das gibt es für zwei Euro oder für 15 Euro. Der Konsument muss entscheiden, wie wichtig es ihm ist, wo es herkommt. Und was er sich leisten kann und will.

Kurier/Gilbert Novy

Gibt es nicht wenigstens ein langsames Umdenken bei den Kunden?

Das Umdenken und der Umweltschutz hört beim eigenen Konsum auf. Das ist schlimm.

Was gibt man im Schnitt für einen Schuh aus?

110 Euro. Ein guter Schuh hat auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun: den hat man fünf, sechs Jahre, man kann ihn sogar reparieren lassen.

Wir sind gerade in einer dieser Aktionswochen...

Leider. Wir Händler hassen diesen Trend zur Aktion. Wenn wir jetzt, im Herbst, nicht unser Geschäft machen, wann dann?

Der Handel jammert auch gerne über den Mitarbeitermangel. Wie ist das bei Ihnen?

Das ist ein Riesenthema. Wir sind als Ausbildungsstätte gefragt, haben 50 Lehrlinge. Denen müssen wir alles beibringen: Essen und Trinken, Bitte und Danke. Für viele junge Menschen sind wir eine Ersatzfamilie.

Wie viele Paar Schuhe haben Sie?

Ich schätze 40. Meine Frau und ich haben einen ganzen Raum voller Schuhe. Sie hat mehr als ich.

Wir sitzen hier in der Männerabteilung. Gibt es da überhaupt so viele verschiedene Varianten?

Klar. Und immer wieder neue Trends. Jetzt gerade Rot, Kaki. Und es wird wieder eleganter, weniger sportlich. Das Ende der Sneaker-Welle.