Stille Geber: Was Mäzene antreibt und worüber sie schweigen

Es gibt sie: Reiche Unternehmer, die ihr Geld für Wohltätigkeit einsetzen – auch ohne steuerliche und finanzielle Bereicherung.

Reich, erfolgreich, wohltätig. Nein, es geht nicht um Bill und Melinda Gates, auch Bob Geldof dominiert nicht diese Zeilen, sondern um heimische Philanthropen, die einen Teil ihrer Erträge oder des Familienvermögens für gemeinnützige Zwecke einsetzen.

Aber im Vergleich zu den weltberühmten Philanthropen aus dem angelsächsischen Raum scheinen sich die Protagonisten dieser Erzählung oft in Schweigen zu hüllen. Warum das so ist, dafür gibt es von den Philanthropen selbst unterschiedliche Erklärungsversuche.

Hülle des Schweigens

"Wenn ich ehrlich bin, hat es viel mit Neid zu tun. Mit dem Wind, der einem hierzulande brutal entgegenweht, muss man umgehen lernen. Es braucht viel Mut, um sein Engagement öffentlich zu machen, denn einem begegnet viel Zynismus“, erklärt etwa Samira Rauter, Immobilienunternehmerin und Stiftungsgründerin von peopleshare, die 50 Prozent ihres Reinerlöses durch die Stiftung für wohltätige Zwecke einsetzt.

"In Österreich sind die meisten Philanthropen schweigsam. Nur wenige stellen sich in die Öffentlichkeit, Hans Peter Haselsteiner allerdings tut das ganz bewusst und fordert von anderen Persönlichkeiten und Unternehmen, sich stärker zu engagieren“, sagt Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verband Österreich.

"Eine Folge der Kriege"

Eben dafür findet der Industrielle  und Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner eine andere Begründung: "Es ist wohl eine Folge der beiden Weltkriege und der Vernichtung der Vermögen, dass sich so wenige Menschen philanthropisch engagieren,“ erklärt Haselsteiner, der 51 Prozent der Erträge seiner Stiftung für wohltätige Zwecke im Bereich Soziales und Kultur gibt, im KURIER-Interview. Und weiter: "Es bräuchte eine viel weitere Verbreitung der Philanthropie, um wirklich wirkungsvoll zu sein.“

Die Gründe, warum sich Mäzene engagieren sind weniger vielfältig als erwartet: "Wenn man einer Gesellschaft so viel verdankt wie ich, nämlich, dass ich Wohlstand aufbauen konnte, ist man dieser Gesellschaft etwas schuldig. Und ich möchte diese Schuld abstatten, “ erklärt Hans Peter Haselsteiner seinen Antrieb.

Auch Samira Rauter ist sich ihrer Privilegien bewusst und möchte etwas zurückgeben. "Wir kommen aus anderen Verhältnissen, aber wurden reich beschenkt. Wir machen unseren Umsatz hier und möchte daher auch hier unsere Steuern zahlen. Das ist uns wichtig,“ erklärt Immobilienunternehmerin Rauter.

Steuererleichterung?

Österreich hat im Vergleich zu seinen Nachbarländern einen deutlich niedrigeren Deckelungssteuersatz. Das bedeutet, dass man hierzulande als gemeinnützige Stiftung maximal 10 Prozent der Spendensumme geltend machen kann.

„In Deutschland und der Schweiz liegt die Deckelungsgrenze bei 20 Prozent, Liechtenstein hat nicht einmal einen Deckel“, so Lutschinger. Viele Philanthropen siedeln ihre Stiftungen daher im Ausland an – allerdings bemühen sich alle zu betonen, dass Gemeinnützigkeit nicht durch Steuerbelange bedingt sein sollte. Eine Hürde aber spüren viele in der gemeinnützigen Stiftungsbürokratie: "Um sich hier zu engagieren, braucht es einen guten Rechts- und Steuerexperten. Es wird einem in diesem Land nicht leicht gemacht philanthropisch tätig zu sein“, bedauert Rauter.

Köck

Herta und Walter Köck engagierte sich 25 Jahre gemeinnützig für Bildungsinitiativen und begründete eine Montessori-Schule


„Ich weiß, ich bin wohl leider nicht normal“

Walter Köck engagierte sich 25 Jahre gemeinnützig für Bildungsinitiativen und begründete  eine Schule KURIER: Sie waren mit ihrem Unternehmen Marktführer im Elektrohandel und gelten als Erfinder der Bestpreisgarantie.

KURIER: Wie blicken Sie an ihrem 90. Geburtstag zurück?
Walter Köck: Ich hatte keine erfreuliche Kindheit, war ab dem 15. Lebensjahr auf mich alleine gestellt . Mit 28 Jahren habe  ich mich in meinem Lieblingsberuf als Radio- und Fernsehmechaniker selbstständig gemacht. Ich wollte unabhängig sein – man kann sich nicht auf alle Menschen verlassen. Für mich war die wirtschaftliche Absicherung das Um und Auf. Aber am Ende konnte ich nicht glauben, dass das alles mir gehört. Ich wusste gar nicht, was ich mit dem Geld anfangen soll.

Daher rührt ihr philanthropisches Engagement?

Walter Köck
: Meiner Frau und mir war es wichtig, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.  Es ist für mich sehr wichtig, auf die Bedürfnisse  und Notwendigkeiten des Vis-a-vis einzugehen. Und so ist der Montessori-Förderungsgedanke aufgetaucht. Mit der  Investitionssumme für die Schule von fünf Millionen Euro sind  wir   sehr glücklich, einen Beitrag für kindgerechte Pädagogik zu erbringen.

Sie haben eine Montessori-Schule und einen Kindergarten begründet, die Initiative Neues Lernen, sowie einen Wissenschaftspreis für den Bereich Bildungs- und Pädagogik. Wieso?

Herta Köck:
Nach dem Firmenverkauf waren wir weit über dem Limit. Und haben mit der verfügbaren  Zeit  festgestellt, dass der Ansatz zu Frieden bei den Kindern beginnt.
Walter Köck: Es ist halt die Zukunft und das sind gute Investitionen. Ich bedauere keine einzige Investition.

Was treibt Sie dazu, zurückgeben zu wollen?
Walter Köck: Wird Gutes eingebracht, ist sofort eine positive Reaktion vorhanden. Es ist so einfach, mit einem ehrlichen Gedanken Menschen zu motivieren.  Ich habe den Erfolg nicht erwartet – vielleicht haben wir sogar ein schlechtes Gewissen gehabt  (lacht). Ja, ich weiß schon, dass ich nicht normal bin. Aber ich kann es nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die ein Vielfaches dessen haben, was sie zum Leben brauchen aber immer mehr haben wollen. Was erwarten denn die Menschen, wenn sie ein Leben im Luxus führen und dann ihre Erben mit zu viel Gewinn belasten – das ist ein Hemmnis für die Entwicklung der Erben. Trotz meiner Großzügigkeit haben meine  Erben noch immer zu viel.    

 

Autor: 
Diana Dauer