Warum wird Vieh über weite Strecken zum Schlachthof gekarrt, Frau Wintereder?

Doris Wintereder bewirtschaftet die Bio-Rinder-Zucht BOA Farm im nördlichen Weinviertel. Ihre Tiere werden am eigenen Hof geboren, gepflegt und geschlachtet.

KURIER: Wieso wird Vieh  Hunderte Kilometer  zum nächsten Schlachthof gekarrt?  
Doris Wintereder: Der nächstgelegene Schlachthof ist einfach oft so weit weg. Das System wurde immer weiter zentralisiert und jetzt gibt es nur mehr wenige große Schlachthöfe und dort wird das Vieh hingebracht.  Der Bauer verkauft sein Vieh an einen  Händler und hat dann keinen Einfluss darauf, wo es  hingebracht wird, was weiter passiert. 

Wie stressig ist der Transport für die Tiere?

Ich glaube,  dem Rind ist es egal,   ob es  100 oder 300 Kilometer fährt. Aber der Stress durch das Verladen, den  Lärm, fremde Tiere, den fremden Ort, ist  enorm.  Das macht es aus. Da gibt es viel Verbesserungspotenzial.  

Wieso wurde das System so zentralisiert? 

Weil sich  die wenigsten einen Schlachthof leisten können, die Investitionen sind enorm.  

Sie schlachten am eigenen Hof. Wie schaffen Sie es, in diesem Geschäft nicht mitzumachen?

Wir sind für österreichische Verhältnisse  groß, schlachten 200 Tiere pro Jahr, daher rentiert sich die Investition. Wir haben zum Glück Kunden, die das gute Leben der Tiere schätzen.   

Autor: 
Andrea Hlinka