"Wut-Hotelier" Andreas Reinisch: "Es ist absurd, uns zu sperren"

Chalet-Betreiber Andreas Reinisch findet: Chalets funktionieren kontaktlos und fordert die Öffnung. Gehör fand er bislang keines.

KURIER: Seit über einem Jahr haben wir das Corona-Thema. Wie geht es Ihnen als Chalet-Betreiber, wie geht es Golden Hill?

Andreas Reinisch: Für uns ist Corona im Grunde ein Trendverstärker. Der Individualtourismus wird wichtiger, Menschen suchen Rückzugsorte, wo sie sich sicher fühlen. Das sind wir.

Meine Frage war: Wie war das vergangene Jahr?

Zum Vergessen. Im Sommer und Herbst waren wir offen und höchst beliebt. Aber vorher und nachher in den Lockdowns – das ist dramatisch. Der Staatstropf war im November sehr nett mit 80 Prozent Umsatzersatz, aber jetzt ist die Regelung für uns nicht mehr hilfreich.

Jetzt ist Ostern: Das wäre normalerweise eine Zeit mit Vollbetrieb.

Absolut. Es ist in Wirklichkeit supertraurig. Wir sprechen erholungs- und ruhesuchende Menschen an, die würden nach wie vor gerne kommen, dürfen aber nicht.

Sie kritisieren die Schließung von Hotels, insbesondere von Chalets stark. Was ist Ihre Argumentation?

Ich habe im vorigen Jahr bereits an Regierung, Wirtschaftskammer und Hoteliersvereinigung geschrieben und unsere Bitte formuliert, für Chalets eine Ausnahmeregelung zu machen. Es ist leider alles zahn- und ergebnislos abgelaufen. Wir haben wunderbare Ja-Sie-haben-Recht-Mails erhalten, aber davon haben wir nichts. Jetzt mache ich einen weiteren Vorstoß, denn das Jahr läuft und wir dürfen keine Gäste haben.

Ihre Argumentation ist?

Es war nicht, ist nicht und wird auch nicht notwendig sein, Chalets zuzusperren. Der Betriebstyp Chalets und Ferienhäuser ist anders zu sehen. Unsere Lobby ist aber offenbar nicht stark genug, wahrscheinlich sitzen in der Wirtschaftskammer nur die großen Hotels. Für uns gilt: Wir machen Individualtourismus. Bei uns gibt es keinen Speisesaal und keine Gemeinschaftsflächen. Die Gäste wohnen für sich allein in einem Chalet. Wir bringen das Frühstück kontaktlos. Was spricht also dagegen, mit Eingangstests bei uns zu wohnen? Es ist doch absurd: Man darf ungetestet in den Supermarkt, aber man darf getestet nicht in ein 120-Quadratmeter-Chalet, in dem man alleine mit Partner oder Partnerin wohnt. Man darf ungetestet zum Zahnarzt, aber ein Getesteter oder Geimpfter oder Genesener darf nicht hier wohnen. Da gibt es keine Logik.

Sie fordern Öffnung und einen Plan.

Ja. Denn das Thema wird uns noch lange beschäftigen. Es gibt keine Zeit nach Corona, nur eine Zeit mit Corona. Und bei den Beherbergungsbetrieben kann man nicht alle in einen Topf werfen.

Darf man einen Unterschied machen?

Ja. Unbedingt. Ich versuche, alles zu mobilisieren. Wir müssen endlich gehört werden. Es geht um die Wirtschaft, um Arbeitsplätze, um ganze Existenzen. Wir haben eine Bedeutung in Österreich und der Tourismus ist eine Schlüsselbranche. Dort, wo es möglich ist, muss man Gäste zulassen. Nochmals: Chalets sind völlig kontaktlos, wir haben keine Hotellobby, keine Gemeinschaftssauna, keinen Speisesaal. Wir haben schöne Häuser mit privatem Spa-Bereich. Die Menschen wohnen bei uns alleine. Wo ist das Problem?

Gibt es trotzdem Buchungen?

Ja. Die Leute wollen sehnsüchtig auf Urlaub fahren. Aber wenn wir nicht öffnen, fahren die Menschen ins Ausland. Dann machen die anderen das Geschäft. Mallorca ist offen, Dubai ist offen. Ich hoffe, alle kommen von dort gesund zurück.

Was erwarten Sie für 2021?

Ich weiß es nicht, ich bin kein Wissenschafter, kein Arzt und kein Hellseher. Aber wir werden mit diesem Virus leben müssen. Möglichst so, dass es nicht die gesamte Wirtschaft umbringt. Wir haben keine Umsätze, bitte sperrt uns auf! Müssen wir wirtschaftlich solidarisch an die Wand fahren? Und generell finde ich kontrolliertes Aufsperren sinnvoller als unkontrollierte Garagenpartys.

Sie investieren sogar. Aktuell werden zwei weitere Chalets dazugebaut.

Ja, weil wir glauben an unser Konzept. Wir investieren zusätzlich 1,5 Millionen Euro. Wir haben schon Buchungen für die neuen Chalets – stellen Sie sich vor, wir dürfen niemanden empfangen. So geht das nicht. Das ist gefährlich.

Autor: 
Sandra Baierl